fünf × 3 =

2 × vier =

Viele Menschen unterschiedlicher Professionen tragen in den Kitas dazu bei, dass die Kinder aller Altersstufen gut betreut und versorgt werden, unbeschwert spielen können und gleichzeitig individuell gefördert werden. Doch was macht die Arbeit der vielen Fachkräfte in den Einrichtungen eigentlich genau aus? Wie setzen diese sich für den Nachwuchs und dessen Familie ein? Und wie sieht ein typischer Kita-Tag für sie aus?

All das erfahren Interessierte in unserer Artikelserie „Kita-Akteure Steckbrief“. Hier geben uns Fachkräfte aus dem Kita-Kosmos Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um ihren Beruf und dessen Bedeutung für die Kinder und ihre Familien.

Steckbrief 4:

Siegunde, Sprachförderfachkraft in einer Benninger Kita

Foto: Kindergarten St. Franziskus

Über mich:

Name: Siegunde

Ich arbeite im: Kindergarten St. Franziskus im Kirchtal im Benningen, einer der Zweitplatzierten des Deutschen Kita-Preises 2020

So nennt sich mein Job in der Kita: Sprachförderfachkraft

Meine Ausbildung: Kontaktstudium Sprache lernen und fördern

Meine Zusatzqualifikation:  zertifizierte Mediatorin, Volljuristin

Meine Arbeit in der Kita

Meine Aufgaben: Alltagsintegrierte Sprachförderung nach dem BaSik Programm von Professorin Dr. Renate Zimmer. Aufmerksame Beobachtung ist eine wichtige Vorrausetzung, um sich für die Initiative des Kindes zu öffnen. Kinder im Alltag unterstützen, linguistisch, phonetisch und pragmatisch zu kommunizieren, damit sie mit den anderen Kinder ins Spiel kommen und Zugangswerkzeuge dafür erlernen.

Diese persönlichen Eigenschaften sind dafür hilfreich: Eine Bindung zu Kindern aufbauen können, dürfen und wollen. Spaß und Freude dabei zu haben, die Kinder in ihrem Spiel wahrzunehmen, ihnen Zugang zur Kommunikation zu bieten. Sich auf das Denken und Handeln von Kindern einlassen können, Empathie und Resonanz.

So profitieren die Kinder von meiner Arbeit: Wenn ich merke, dass die Kinder ihre Weiterentwicklung als Kompetenz empfinden, wenn sie Zugang zu ihrer Peergroup bekommen haben, ihre Kommunikation bewusst einsetzen, Aushandlungsprozesse durchführen und miteinander verhandeln. Das ist mein Ziel: Die Stärken der Kinder hervorheben, ihre sprachlich-kommunikativen Ressourcen stärken. Und ihnen über ihre Schwierigkeiten hinweghelfen, zum Beispiel wenn Deutsch für sie die Sprache ist, die sie erlernen müssen oder wenn ihnen noch die Worte fehlen, um den anderen ins Spiel mit einbeziehen zu können.

Was mir an der Arbeit besonders gefällt: Ich kann im Dialog mit den Kindern mich selbst, mein Hintergrundwissen und meine Weltsicht einbringen. Andersherum erfahre ich auch ihre Sichtweise. Mitten im Geschehen sein, sich treiben lassen, Erfahrungen mit den Kindern teilen. Die Nähe, wenn Kinder ihre Gedanken äußern und mir lebhaft erklären, wie und warum sie etwas getan haben. Den besonderen Moment spüren, an dem eine tiefe Verbundenheit und Begeisterung füreinander da ist.

Das ist manchmal eine Herausforderung: Welcher Kinderanzahl kann man noch gerecht werden, ohne dass man sich selbst total erschöpft? Mehrere Stunden durchgehend im Dialog mit Kindern sein, Teil einer aktiven Teamarbeit sein, nicht die Eigeninitiative im Team erleben, sondern wie sich das Team moduliert.

Das sagen die Kinder zu mir und zu meiner Arbeit: Siegunde, schau mal! – Siegunde, schreib‘s auf! – Siegunde, kannst du ein Foto vom Überschlag von meinem Auto machen?!

So bin ich mit den Eltern in Kontakt: Die Eltern kommen auf mich zu und für die Elterngespräche meiner Kolleginnen tauschen wir uns vorab aus.

Mein Kita-Tag

So sieht ein typischer Kita-Tag für mich aus:

In Zeiten ohne Corona:

7:00 bis 11:00 Uhr – In der Freispielzeit wandere ich von Zimmer zu Zimmer und kommuniziere mit den Kindern. Wenn ich für einen Funktionsraum zuständig bin, gehe ich mit ihnen in den Dialog. Ich begleite sie so bei ihrem Spiel und am besten läuft die Zeit ab, wenn sich die Sprachförderkinder beim Spiel vernetzen, mit den anderen Spielprozesse aushandeln oder die anderen für ihre Spielideen begeistern können.

11:00 Uhr – Mit jeder Altersgruppe gestalte ich nach der Freispielzeit einen 30- minütigen Morgenkreis, der sich an den Interessen und Themen der Kinder ausrichtet und in dem ich Sprachförderinhalte unterbringe. Mir ist es wichtig dabei die individuellen Schwierigkeiten mit zu berücksichtigen und ich richte die Sprachförderinhalte direkt auf die Gruppe aus. Die Vorschulkinder erlernen mit mir zusammen zusätzlich die Kieler Lautgebärdensprache. Für die Vorschulkinder beginne ich regelmäßig mit einem Zeitungsartikel über den wir uns austauschen. Neugierig macht mich immer, zu erfahren und ermitteln, welches Thema die Kinder gerade beschäftigt.

In Zeiten von Corona:

… kann ich nicht mit allen Altersklassen kontinuierlich zusammenarbeiten, weil wir die Einrichtung in Alt- und Neubau getrennt haben. Das ist ein bisschen traurig, weil ich nicht mehr alle Kinder regelmäßig sehe und ihre Themen kenne. Die Chance dabei ist jedoch, intensiver auf eine altershomogene Gruppe eingehen zu können. Gerade bin ich bei Zwei- bis Vierjährigen und empfinde die Sprachförderung als anstrengender und weniger abwechslungsreich, als wenn ich mit allen Altersklassen zusammenarbeite. Der Dialog mit den Kleineren erfordert mehr Anstrengung, da ich auch mehr sprachlich begleite, was gespielt wird. Wir haben einige Kinder mit Deutsch als Zweitsprache, die den Zugang zur Sprache finden müssen und einige Kinder, die den Zugang zum Spiel finden müssen. Dann gibt es Kinder, die den Blickkontakt meiden, wenn ich mit ihnen spreche. Ein Kompliment ist es, wenn die Kinder regelmäßig auftauchen und die Bindung als positive Erfahrung erleben.

Ausblick

Das wünsche ich mir für die Kindergartenkinder: Bei uns dürfen die Kinder so aufwachsen, wie ich es mir für meine eigenen Kinder gewünscht hätte. Wichtig sind für mich die Menschen, mit denen ich zusammen bin. Ich arbeite mit einem Team zusammen, in dem sich die Menschen mögen und gerne ihre Arbeit machen. Das spüren wir selbst und das spüren auch die Kinder. Wir gehen achtsam miteinander und mit den Kindern um, sie fühlen sich wahrgenommen, ernst genommen und planen mit uns auf Augenhöhe ihren Alltag. Unsere Kinder haben schon alles für einen glücklichen Kindergartenalltag.


Hier geht’s zu weiteren Steckbriefen:

Steckbrief 1: Die Erzieherin

Steckbriefe 2 und 3: Kita-Leiterinnen.

Ein multiprofessionelles Team aus Kindersicht: Wer arbeitet in eurer Kita?

Ein multiprofessionelle Team – beschrieben von Mädchen und Jungen einer Kita.

Erraten Sie anhand der Kinderzitate, um welche Fachkraft es sich handelt? Hier geht’s zu den Kinderstimmen.

Auch interessant:

Wer arbeitet eigentlich in der Kita? Vierter Teil unserer Q&A-Serie für Eltern.

Verschiedene Berufe unter einem Dach: Expertinneninterview zur Multiprofessionalität in Kitas.

Erzieherinnen und Erzieher sind so viel mehr… Über die Aufgaben der Kita-Fachkräfte.