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Nur wenige Erwachsene und kaum ein Kind unter sechs Jahren wird erklären können, was der Begriff Diversität eigentlich bedeutet und warum es wichtig ist, eine Vielfalt an Lebenswelten und Bedürfnissen zu fördern. Was kleine Kinder aber sehr wohl schon können, ist: Bewusst oder auch unbewusst erleben, wie Diversität zum Alltag dazugehört und diesen bereichert. Dass es normal ist, verschieden zu sein. Und dass es wichtig ist, Andersartigkeit als gewinnbringend wertzuschätzen und trotzdem Gemeinsamkeiten zu entdecken.    

Wenn Erwachsene als gute Vorbilder fungieren, kann sich Diversität durch alle Lebensbereiche der Kinder ziehen: „Das Thema muss ganzheitlich betrachtet werden. Es geht nicht nur um Geschlecht oder Behinderung, sondern auch um Alter, ethnische Herkunft oder sexuelle Orientierungen“, sagt Julie Merkel, Erzieherin und Bildungswissenschaftlerin bei der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS).

Hier gibt die Expertin fünf Tipps, wie Diversität gemeinsam mit den Kindern im Alltag gelebt und besprochen werden kann.

1. Auf die kindliche Lebenswelt eingehen

Wie erlebt das Kind die unterschiedlichen Diversitätsthemen im Alltag? Gibt es beispielsweise Kinder aus anderen Kulturen oder mit unterschiedlichen Hautfarben in der Kita? Hat das Nachbarkind zwei Mamas oder zwei Papas? Diese und noch viel mehr Gegebenheiten können Sie gemeinsam bewusst wahrnehmen. Achten Sie darauf, wie der Nachwuchs auf bestimmte Themen reagiert oder was er dazu sagt. Es ist wichtig, sensibel zu bleiben und sich offen über bestimmte Wahrnehmungen oder Fragen auszutausch

2. Eine Frage der Haltung

Auch Erwachsene sollten sich bewusst machen, in welchen Situationen sie von Diversität umgeben sind. Wie geht es Ihnen selbst im Umgang mit eventuell fremden Gewohnheiten oder Bedürfnissen? Welches Verhalten leben sie dadurch ihrem Kind vor? Entspricht das dem, was Sie von ihrem Kind erwarten?

Machen Sie Ihre positive Haltung ruhig nach außen sichtbar. Lassen Sie also beispielsweise diskriminierende Äußerungen anderer Personen nicht stehen, nur weil der Nachwuchs dabei ist. Im Gegenteil können Sie Ihrem Kind damit zeigen, dass bestimmte Worte nicht in Ordnung sind und verletzen können. Thematisieren Sie solche Situationen im Nachhinein. So könnten Sie das Kind fragen: Wie hast du das wahrgenommen? Stell dir vor, du wärst anstelle von XY gewesen, wie wäre es dir gegangen? Was hättest du dir gewünscht?

3. Vielfalt in Spiel und Alltag

Diese Puppe reproduziert keine Stereotype (Foto: DKJS / F. Schmitt)

Überlegen Sie, ob bestimmte Spielmaterialien in der Kita oder bei Ihnen zuhause Diversität widerspiegeln. Reproduzieren die Kinderbücher, die der Nachwuchs liest, bestimmte Stereotype? Spielt das Kind mit Puppen, die blond, hellhäutig und weiblich sind – oder haben manche auch andere Hautfarben oder besondere körperliche Merkmale? Macht das Kind Erfahrungen mit anderen Kulturen oder Religionen, beispielsweise beim Lesen, Spielen, Musizieren oder Feiern? Verschiedene Bücher, Spielmaterialien oder auch Projekte erleichtern den Einstieg in ein Gespräch zum Thema Diversität. Bei Elternabenden oder Elterngesprächen können auch Sie selbst Ideen für entsprechende Projekte oder Materialien in der Kita einbringen.

Diversität im Fokus

Respekt, Toleranz und Vielfalt in der Kita und in den Familien – alle Beiträge  unseres Themenschwerpunktes finden Interessierte hier.

4. Unterschiedliche Sprachen

Kinder hören von Anfang an, dass in ihrer Umgebung unterschiedlich gesprochen wird. Von besonderer Bedeutung sind ihre Familiensprache(n) sowie die Sprachen, die in der Kita oder von anderen Kindern gesprochen werden. Insbesondere die Familiensprachen sind identitätsstiftend und sollten im Alltag wertschätzend aufgegriffen werden. Ob über Vorlesepatenschaften, Hörbücher, Spiele, Schrifttypen oder auch lautunterstützende Gebärden – vielseitige Erfahrungen mit Sprachen sind für Kinder sehr wertvoll.

Bilder statt Worte: So versteht jedes Kind und jedes Elternteil, wo es hingehen soll (Foto: DKJS / F. Schmitt).

5. Keiner bleibt außen vor

Wenn Erwachsene in der Kita oder auch privat möglichst viele Kinder und ihre Familien ansprechen wollen – beispielsweise mit Informationen, Einladungen, Gemeinschaftsaktionen oder Angeboten – sollten sie überlegen, ob auch wirklich alle erreicht werden. Sprich: Kann jedes Kind und jede Familie das Angebot räumlich gut finden und erreichen? Helfen mehrere Sprachen oder Symbole beim Verstehen? Gibt es keinen religiösen oder ökonomischen Grund, nicht teilzunehmen? Barrierefreiheit bedeutet auf vielen verschiedenen Ebenen, dass niemand außen vor bleibt.

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