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Wenn sich Erwachsene an ihre Kindheit erinnern, dann besonders häufig an Momente oder Phasen, in denen sich etwas im Alltag grundlegend verändert hat. Denn das, was Fachleute als Übergang bezeichnen, ist oft mit starken Emotionen verbunden. Auch während der Kita-Zeit stehen wichtige Übergänge für das Kind und damit auch für seine Eltern an.

Welche Übergänge gibt es in der Kita-Zeit?

  • Die Eingewöhnung ist der erste, wichtige Übergang in der Kita-Zeit. Wurde das Kind bisher von seinen Eltern oder anderen privaten Bezugspersonen zuhause betreut, so ist es in der Kita nun in einem neuen Umfeld auch von anderen Erwachsenen und Kindern umgeben. Bei der Eingewöhnung wird es behutsam an die neuen Bezugspersonen und Abläufe herangeführt.
  • Der Wechsel in den Kindergarten oder Elementarbereich stehtim Alter von etwa drei Jahren an. Unabhängig davon, ob das Kind davor schon die Krippe in derselben Einrichtung, eine Tagesmutter, -vater oder gar keine Einrichtung besucht hat, ist der Wechsel in den Kindergarten oder in eine neue Gruppe ein wichtiger Übergang. Von nun an gehört es zu den „Großen“ und kann ganz andere Dinge lernen und erleben als bisher.
  • Vorschulzeit und Einschulung. Besonders im letzten Kita-Jahr werden die Kinder auf ihren Wechsel die Schule vorbereitet und am Ende mit einem Fest verabschiedet. Besondere pädagogische Aktivitäten für in dieser Zeit umfassen verschiedene Bereiche, darunter beispielsweise alltagsintegrierte Sprachbildung, Motorik-Förderung, Projekte und Ausflüge zu bestimmten Themen, Stärkung der Selbstständigkeit sowie der sozialen und emotionalen Kompetenzen und vieles mehr. „Im Grunde werden Kinder die gesamte Kita-Zeit über auf den Übergang in die Schule vorbereitet, die Fachkräfte fördern die genannten Kompetenzen idealerweise schon von Anfang an. Im letzten Kita-Jahr werden diese pädagogischen Aktivitäten mit Blick auf den Schuleintritt intensiviert“, erklärt Barbara Foremnik, Sprachfachkraft der Kita Staakenbär. Die Einrichtung ist Teil des Berliner Bildungsnetzes Heerstraße Nord, das beim Deutschen Kita-Preis 2020 einen zweiten Platz belegte.
Halllo und auf Wiedersehen! Wenn sich in der Kita etwas ändert, brauchen die Kinder die Unterstützung der Eltern und Fachkräfte (Foto: DKJS / J. Erlenmeyer und N. Goetz).

Welche Bedeutung haben die Übergänge für Kinder und Eltern?

Wie der Name schon sagt, sorgt ein Übergang dafür, dass jemand von einem zum nächsten Punkt gelangt, und das idealerweise reibungslos. Bei den oben geschilderten Übergängen ändern sich die Alltagsabläufe und Bezugspersonen der Kinder. Die meisten Mädchen und Jungen sind neugierig und freuen sich auf den neuen Lebensabschnitt, manche sind aber möglicherweise auch verunsichert. „Der Beginn eines neues Lebensabschnitts ist für Kinder eine große Herausforderung“, sagt Andrea Wobker-Howen, Kita-Sozialarbeiterin im Berliner Bildungsnetz Heerstraße Nord. „Wird der Übergang gut bewältigt, entwickelt das Kind eine positive Einstellung zum neuen Lebensabschnitt. Es wächst an den Herausforderungen, entwickelt neue Kompetenzen und erlangt Selbstsicherheit. Wird der Übergang hingegen schlecht bewältigt, kann dieser zu einem traumatischen Erlebnis werden.“

Wie und mit wem werden Übergänge in der Kita gestaltet?

Die Bezugspersonen eines Kita-Kindes tragen gemeinsam zu einem gelungenen Übergang bei, indem sie es in dieser Phase besonders aufmerksam begleiten. „Ein bewusst gestalteter Wechsel vermittelt klare Regeln und Sicherheit, sollte aber behutsam angegangen werden, damit sich das Kind dabei wohl und willkommen fühlt“, erklärt Andrea Wobker-Howen. „Neben den alten und neuen Bezugserzieherinnen tragen auch andere Kolleginnen aus der Kita zu einem gelungenen Übergang bei. Eine wichtige Rolle spielen aber auch die Eltern und Familienangehörige, die das Kind bringen und abholen.“ Vor der Einschulung werden je nach Bedarf und Möglichkeit auch LehrerInnen und Kinderärzte (welche die Einschulungsuntersuchung machen) sowie Kita-Sozialarbeiterinnen mit einbezogen.

Was erleichtert Kindern den Übergang?

  • Bei der Eingewöhnung in die Krippe oder in den Kindergartenwird die Zeit, die das Kind ohne Eltern in der Einrichtung bleibt, Stück für Stück ausgebaut – je nachdem wie es dem Kind damit geht.Währenddessen sollte das Kind kontinuierlich die gleichen Bezugspersonen haben, empfiehlt die Sprachfachkraft Barbara Foremnik: „Dies gilt nicht nur für die beteiligten Erzieherinnen und Erzieher. Auch die Person, die das Kind in die Kita bringt und wieder abholt, sollte in dieser Phase möglichst dieselbe sein, um Routine und Sicherheit zu vermitteln.“ Letztere sollte sich nach dem Bringen auch nicht einfach aus dem Raum schleichen, sondern sich deutlich von dem Kind verabschieden, so die Expertin: „Der Nachwuchs sollte bewusst mitbekommen, wann die Eltern weg sind und wieder kommen, auch das gibt Orientierung.“ Ein Kuscheltier, ein Schmusetuch oder ein Lieblingsgegenstand von zuhause vermitteln Geborgenheit, auch wenn die Eltern nicht da sind.
Die Eingewöhnungsmodelle

Bei der die Eingewöhnung neuer Kinder in die Krippe oder in den Kindergarten orientieren sich Kindertageseinrichtungen meistens an einem bestimmten Konzept. Dieses kann sich je nach Bundesland oder sogar nach Einrichtung unterschieden. Vielerorts haben sich jedoch das sogenannte Münchener Eingewöhnungsmodell oder das Berliner Eingewöhnungsmodell etabliert. Beide Konzepte verfolgen das Ziel, die kleinen Neuankömmlinge möglichst strukturiert und behutsam an die neue Situation und die neuen Bezugspersonen heranzuführen – und das mit Blick auf die individuellen Bedürfnisse eines jeden Kindes. Und dafür braucht es vor allem Zeit, Geduld, Einfühlungsvermögen und eine gute Zusammenarbeit zwischen Eltern und Fachkräften.

  • Der Wechsel in den Kindergarten oder Elementarbereich fällt leichter, wenn die Kinder zuvor schon die Krippe im selben Haus besucht haben. Denn dann könnten die Fachkräfte den Übergang nach und nach einleiten, schildert Barbara Foremnik: „Zuerst können sie dem Kind die neuen Räumlichkeiten zeigen, dann eine Weile – nur solange es möchte – dort mit ihm verweilen und diese Verweildauer immer etwas mehr ausdehnen. Während die neue Bezugserzieherin Kontakt zum Kind aufbaut, zieht sich die Krippenerzieherin immer weiter zurück.“ Der endgültige Wechsel in die neue Gruppe kann dem Kind deutlich signalisiert werden, beispielsweise indem sein Foto von der alten in die neue Gruppe „umzieht“. Kommt das Kindergartenkind neu in die Einrichtung, wird es wie davor beschrieben eingewöhnt.
  • Um den Übergang in die Schule vorzubereiten, organisieren die meisten Kitas Partnerschaften mit naheliegenden Schulen, so dass die Schulanfänger die Räumlichkeiten und das Personal dort schon einmal kennenlernen können. Oder, wenn sie in eine andere Schule gehen, dass die Kinder zumindest einen Eindruck vom Leben in der Schule bekommen. „Idealerweise (und wenn es keine coronabedingten Einschränkungen gibt) können die Kita-Kinder auch mal im Unterricht einer ersten Klasse hospitieren oder die Sportanlagen der Schule nutzen“, sagt Andrea Wobker-Howen, die im Berliner Bildungsnetz Heerstraße Nord entsprechende Partnerschaften zwischen den Einrichtungen fördert.

Alle Maßnahmen zielen darauf ab, dass die Übergänge nicht abrupt, sondern fließend und möglichst reibungslos verlaufen. Die Kinder brauchen dafür vor allem Zeit. Zeit, um die neue Situation kennen zu lernen, eine vertrauensvolle Bindung zu den neuen Bezugspersonen aufzubauen und sich gut zu entwickeln. Dabei werden sie von den Fachkräften, ihren Eltern und anderen Bezugspersonen bestmöglich unterstützt.

Die wichtigsten Tipps, wie Eltern zu einen gelungenen Übergang in die Krippe, den Kindergarten oder in die Schule beitragen können, finden Sie hier.

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