4 × 1 =

Welche Kita passt am besten zu uns und unserem Kind? Bei der Wahl der Betreuungseinrichtung spielt die pädagogische Ausrichtung eine wichtige Rolle für Eltern. Hier den Überblick zu bewahren, ist gar nicht so einfach. Denn es existieren zahlreiche gute pädagogische Ansätze für die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung in Kitas.

In unserer neuen Beitragsserie stellen wir die Besonderheiten der verschiedenen Betreuungskonzepte vor und zeigen anhand eines praktischen Beispiels, wie Kinder und Eltern im Kita-Alltag von der jeweiligen pädagogischen Ausrichtung profitieren.

Teil 1 der neuen Serie: Reggio-Pädagogik

Kinder als aktive und kompetente Forscher

Die Reggio-Pädagogik stammt aus Reggio Emilia, einer kleinen Stadt in Norditalien. Den Anfang nahm das pädagogische Konzept in den 1960er Jahren in einer kommunalen Kita, wo es von mehreren Pädagogen und Pädagoginnen, unter anderem von Loris Malaguzzi, begründet wurde. Im Mittelpunkt des Konzepts steht das Kind als eifriger Forscher und Konstrukteur, das seine eigene Entwicklung und Bildung mit gestaltet. Die positive Sicht auf das Kind führt zu einem individualisierten Bildungsansatz, der die direkte Lebenswirklichkeit, alltägliche Zusammenhänge sowie das Erkunden und Experimentieren in den Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit stellt.

Die Reggio-Pädagogik geht von den so-genannten „100 Sprachen des Kindes“ aus, mit denen es kommunizieren kann – dazu gehören neben realen Sprachen auch Singen, Tanzen, Entdecken und vieles mehr, was wiederum durch eine methodische Vielfalt in Reggio-Kitas sichtbar wird. Frühkindliche Bildung wird im Reggio-Konzept als gesellschaftliche und gemeinschaftliche Aufgabe angesehen: Bildung ist hier dynamisch, örtlich flexibel, ereignisoffen, lebendig – und vor allen Dingen: kindorientiert.


Reggio-Pädagogik in Bildern

previous arrowprevious arrow
next arrownext arrow
Slider

3 Fragen an eine Reggio-Kita

Caritas-Kinderhaus Leo, Coburg

Im Kinderhaus Leo, einer der Finalisten-Kitas für den Deutschen Kita-Preis 2019, wird die Reggio-Pädagogik lebendig: In der Coburger Einrichtung wird gemäß den 100 Sprachen des Kindes gemalt, getanzt, genäht, konstruiert, philosophiert und vieles mehr. Was Reggio-Pädagogik für den pädagogischen Alltag bedeutet und wie die Kita-Kinder hiervon profitieren – davon berichtet Stephy Beck, pädagogische Leiterin des Caritas-Kinderhaus Leo.

Warum haben Sie bzw. Ihre Einrichtung sich für genau dieses Konzept entschieden? Was sind Ihrer Meinung nach die besonderen Stärken des Konzepts?

Die Reggio-Pädagogik ist kein starres Theoriemodell, sondern als eine Erziehungsphilosophie zu verstehen, die eine Reihe von Grundannahmen und flexibel handhabbaren Praxiselementen miteinander verbindet. Dadurch ist ein eigenes Profil für jede Reggio-Einrichtung möglich und sogar ausgesprochen erwünscht. Daher sind Reggio-Kitas sehr vielfältig und doch in ihren Grundannahmen gleich. Zudem zeichnet sich die Reggio-Pädagogik von Anfang an dadurch aus, dass sie aktuelle Forschungsergebnisse aus der Wissenschaft in die pädagogische Arbeit mit Kindern integriert. Sie sieht sich als eine sich ständig weiterentwickelnde Pädagogik. Dies deckt sich mich dem pädagogischen Grundverständnis unseres Teams. Zudem ist Bildung im Sinne der Reggio-Pädagogik immer auch emotionales Lernen, ganzheitlich ausgerichtet und somit ideal, damit Kinder „großwerden“ können.

Wodurch hebt sich die Reggio-Pädagogik Ihrer Meinung nach von anderen pädagogischen Konzepten ab?

Neben dem Bild vom aktiven und kompetenten Kind, ist sicher die Haltung, mit der Pädagoginnen und Pädagogen die Bildung der Kinder begleiten, ein auffallender Aspekt. Diese erziehen die Kinder nicht, sie assistieren ihnen.

Daher geben Pädagoginnen und Pädagogen keine Lösungen vor, animieren oder belehren nicht, sondern geben den Kindern neue Impulse und regen vielmehr durch Fragen an, Neues zu wagen und auszuprobieren. Deshalb sind die dialogische Haltung und partizipative Aspekte wesentlich und prägen den Umgang im pädagogischen Alltag grundlegend. Die Reggio-Pädagogik gibt Raum für selbstbestimmtes Lernen und ermöglicht eigenaktive Erfahrungsprozesse. Sie distanziert sich von allen Formen der Schablonenarbeiten, angeleiteten Bildungssettings, verpflichtenden Aktionen, pädagogischen Programmen, starren Tagesstrukturen oder unreflektierten Erziehungsmaßnahmen, plädiert hingegen für eine flexible Tages- und Raumstruktur und ein individualisiertes Bildungsverständnis.

Die zentrale Bedeutung von Selbstbildungs-Prozessen wird in den jeweiligen (Funktions-) Räumen deutlich. Das eigenaktive Lernen und das Lernen der Kinder untereinander werden durch die Raumgestaltung und -nutzung ermöglicht. Multifunktionales Material, welches zum einen eine Vielfalt an Möglichkeiten, aber auch einen hohen Aufforderungscharakter auszeichnet, unterstützt das kindliche Selbstbildungspotenzial. Bauzimmer, Kinderbühne, Restaurant, Dunkelzimmer, Atelier, Labor, Schreibwerkstatt, Atelier del Gusto etc. werden so zu wichtigen Bildungsräumen. Der „Raum als dritter Erzieher bzw. dritte Erzieherin“ gehört somit wesentlich zum pädagogischen Konzept einer Kita.

Pädagogische Konzepte unter der Lupe

Hier finden Sie alle Beiträge auf einen Blick!

Wie leben Sie das Konzept der Reggio-Pädagogik im Kita-Alltag? Können Sie hierzu konkrete Beispiele geben?

Unser Atelier ist der Dreh- und Angelpunkt unserer Bildungsarbeit. Sowohl die vielfältige Ausstattung (Tontisch, Werkbank, Malwand, Gestaltung mit vielfältigen Materialien, Nähmaschine) wie auch die personelle Präsenz sind hier sehr deutlich. Zudem ist die kontinuierliche Zusammenarbeit mit einer Künstlerin (Keramik) wesentlich für das ästhetisch-künstlerische Gestalten im Atelier. Außerdem verfügt das Kinderhaus über ein Draußen-Atelier.

Die Remida, ein Raum in welchem eine reichhaltige Materialvielfalt für die Kinder frei zugänglich präsentiert wird, ist eine wahre Goldgrube für Kreativität und ist eng verknüpft mit der Atelierarbeit.

Ein wesentliches Element im Kinderhaus Leo ist das Lernen vor Ort: Wir lassen die Ressourcen unserer Stadt Coburg aktiv in die Bildungsarbeit einfließen. Exkursionen ermöglichen das Sammeln von direkten und intensiven Erfahrungen. Das Lernen vor Ort ist daher geprägt von einer starken Intensität und emotionalen Beteiligung. Wir holen Bildung nicht losgelöst in die Kita, sondern gehen bei Exkursionen bewusst zu den Orten, an denen Lernprozesse ermöglicht oder bereichert werden. Der direkte Kontakt mit Experten und Expertinnen, Exkursionen zu institutionellen bzw. behördlichen Stellen, der Umgang mit verschiedenen Menschen und das Eintauchen in besondere Orte sind hierbei methodische Umsetzungsmöglichkeiten.

Die Projektarbeit ist das Herzstück unserer Bildungsarbeit. Die Projekte haben ihren Ausgangspunkt in der Beobachtung der Kinder und basieren auf deren Interesse. Sie entwickeln sich aus Spielhandlungen, Alltagssituationen, Fragestellungen, Gesprächen oder Beobachtungen der Kinder, sind themengebunden und stehen immer in unmittelbarem Zusammenhang mit der Lebenswirklichkeit der Kinder. Der Prozess als solcher ist dabei besonders wichtig, ebenso so wie das Vergnügen am Lernen, Verstehen und Anwenden. Projektthemen waren „Mount Everest“, „Die Vermessung der Welt“, „Tod“, „Geo-Leopard“ und viele mehr.

Unsere Projekte werden auf großflächigen Wanddokumentationen, den sprechenden Wänden, festgehalten.

In einem aktuellen Projekt war es beispielsweise so, dass die Kinder im Atelier eigene Sauerstoffmasken für ihr Rollenspiel im Rahmen des Mount Everest-Projektes konstruieren wollten. Zunächst wurden Einweg- „Narkose-Masken“ über eine Mutter, die als Ärztin tätig ist, organisiert. Dann wurden die Sauerstoffmasken inkl. Sauerstoffflaschen gebaut und schlussendlich ging es in den nahegelegenen Park zum „Besteigen“ von (Fels-) Bergen.

So sieht für uns lebendige Bildung und Eigenaktivität der Kinder aus.

Auch interessant:

Kikaninchen, Maus und Elefant machen Sinn

Was pädagogisch hinter den bekannten TV-Figuren steckt und wie Vorschulkinder von den Sendungen profitieren, erklärt uns ein Redaktionsleiter vom KiKA hier.

„Ich hab dich heute Morgen im Fernsehen gesehen!“

Wie reagieren Kinder, wenn sie ihre TV-Lieblinge „in echt“ treffen? Das haben wir KiKANiNCHEN-Puppenspielerin Anja und KiKA-Moderator Christian gefragt.
 

Heute holen mich Oma und Opa von der Kita ab…

Auch die Eltern der Eltern sind wichtige Bezugspersonen für die Kinder. Wie Großeltern auf besondere Art und Weise am Kita-Leben teilnehmen.

Wir verwenden Cookies, um einen guten Webservice zu ermöglichen und erfassen Ihr Surfverhalten, um unser Angebot noch besser zu machen. Mehr erfahren

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen