Wenn es um Elternengagement geht, denken viele natürlich erst einmal an die Mütter und Väter. Doch in vielen Kitas gehen auch die Eltern der Eltern ganz selbstverständlich ein und aus. Gerade in kleineren Ortschaften, wo die Familien näher beieinander wohnen, unterstützen die Großeltern häufig beim Bringen und Abholen und nehmen auch an Kita-Aktivitäten teil. Das macht sie nicht nur für ihre Enkel zu wichtigen Bezugspersonen. Auch die Fachkräfte und die anderen Kinder profitieren vom Miteinander der verschiedenen Generationen.

Großeltern im Sozialraum Kita

Wie vielseitig dieses Miteinander sein kann, zeigt die ev. Kita „Lüttje Lü“ im niedersächsischen Bad Zwischenahn, einer Finalisten-Kita für den Deutschen Kita-Preis 2019. Hier kommen viele Großeltern zum Bringen und Abholen, einige über Jahre hinweg.

Oma Hilde mit ihrer Enkelin am Oma&Opa Tag.

Wie Oma Hilde, die bereits das sechste ihrer acht Enkelkinder in die Kita begleitet. „Ich kenne die Einrichtung und viele der Mitarbeitenden schon lange“, erzählt die 67-Jährige. „Toll, was die Kinder hier alles machen können: Erste-Hilfe-Kurse, Besuche bei der Feuerwehr… das gab es früher nicht.“ (= Sozialraumorientierung) Auch Hildes Bauernhof war schon Ziel eines Ausflugs: „Mein Mann hat mit den Kindern Kartoffeln geerntet. Sie waren mit großem Eifer dabei“, erzählt die Rentnerin. Die Begeisterung war so groß, dass Hilde und ihr Mann nun alle zwei Jahre ein großes Stück des Ackers für die Kita-Kartoffelernte mit Erntedankgottesdienst reservieren.

Die Kita-Kinder seien besonders interessiert am Leben älterer Menschen, bestätigt Kita-Leiterin Kerstin Kreikenbohm. „Es ist für alle etwas Besonderes, wenn sie die Kinder aktiv daran teilhaben lassen.“

Großer Bahnhof für Oma und Opa

Nicht nur deshalb findet jährlich ein Oma-Opa-Tag in der Kita „Lüttje Lü“ statt: „Die Großeltern sind wichtige Ansprechpartner für die Kinder und auch das Personal. Sie sollen einmal im Jahr ordentlich im Mittelpunkt stehen und gleichzeitig auch erfahren, was ihre Enkel hier machen“, findet Kerstin Kreikenbohm. Die Kleinen seien immer sehr stolz, wenn sie Oma und Opa ihre Kita zeigen können – zumal sie diesen Tag selbst geplant und organisiert haben (= Partizipation) . Denn die Einrichtung nutzt den Aktionstag auch, um mit den Kindern demokratische Prozesse zu üben, Ideen auszutauschen, abzustimmen, Kompromisse zu finden: Was wollen wir mit Oma und Opa machen? Was soll es zu essen und zu trinken geben? Schon Wochen vorher werden persönliche Einladungskarten gestaltet und zum Briefkasten gebracht (hier berichtet die Kita von der Vorbereitung).

Viele Omas und Opas nehmen eine weite Reise auf sich, um der Einladung zu folgen: „Manche Kinder bringen vier Großelternteile mit, einige kommen sogar extra aus München, Leipzig, Berlin oder Aachen nach Niedersachsen gereist“, staunt Kerstin Kreikenbohm. Es wird gemeinsam gefrühstückt, gesungen und gewerkelt. Die Kinder zeigen die Räumlichkeiten und die Großeltern erzählen im Stuhlkreis von früher. Geduldig beantworten sie alle neugierigen Fragen: „Wie war das, als du klein warst? Warst du auch in der Kita?“ Auch die Großeltern nutzen die Gelegenheit, sich zu informieren, etwa über das gruppenübergreifende Konzept der Einrichtung. So fragte ein pensionierter Lehrer die Leiterin einmal sehr kritisch zur Bildungsarbeit der Kita aus. „Da musste ich alle Register ziehen und unsere Pädagogik fachlich begründet darlegen, wie bei einem Bewerbungsgespräch“, erinnert sich Kerstin Kreikenbohm. In einer Sache aber herrscht Konsens unter den betagten Besuchern: „Hier würde ich auch nochmal gern in die Kita gehen.“

Helfer mit Erfahrung und Zeit

Lange ist es her, dass Opa Bernd selbst einen Kindergarten in Ostdeutschland besuchte. „Ich war gerne dort und habe in dieser Zeit meine ersten Freunde gefunden“, erinnert sich der 69-jährige. Mittlerweile geht er wieder regelmäßig in die Kita – als Opa zweier Mädchen. Er und Oma Hilde sind oft tatkräftig bei freiwilligen Arbeitseinsätzen, Festen und Ausflügen der Kita „Lüttje Lü“ dabei: Gemeinsam mit dem Personal, anderen Eltern und Großeltern karren sie Sand auf den Spielplatz, begleiten auf den Weihnachtsmarkt, bilden Fahrgemeinschaften, basteln oder werkeln.

Entlastung für Eltern

Obwohl sie nicht im Kita-Elternrat vertreten sind, seien Omas und Opas hier oft die ersten Ansprechpartner, wenn es ums Mithelfen geht, berichtet Anja, die Schwiegertochter von Opa Bernd. „Die Großeltern haben einfach mehr Zeit und sind viel geduldiger als wir Eltern“, findet sie.

Opa Bernd mit Enkelin am Großelterntag.

Somit entlasten die Rentner nicht nur das Kita-Personal, sondern vor allem auch die Mütter und Väter. Diese können sich, wie Anja und ihr Mann, aus beruflichen Gründen nicht immer freiwillig engagieren und ihre Kinder auch nicht immer selbst bringen und abholen. „Was wären wir nur ohne den Opa“, überlegt Anja. Sie freut sich über die persönliche Entlastung und die besonderen Erlebnisse ihrer Kinder mit dem Großvater: „Für meine Tochter ist es das Größte, wenn der Opa sie mit dem Fahrrad zur Kita bringt. Dafür haben wir im Alltag leider keine Zeit.“

Ein besonderes Miteinander

Viele Kinder berichten schon etliche Tage vorher aufgeregt, wann sie wieder von Oma oder Opa abgeholt würden, erzählt Kerstin Kreikenbohm. Sie kann das Miteinander der verschiedenen Generationen im Kita-Flur gut beobachten: „Die Großeltern kommen schon ganz erwartungsvoll herein und werden überschwänglich begrüßt. Sie drängeln nicht beim Anziehen, schauen sich geduldig alle Bilder an und unternehmen danach oft noch etwas Besonderes mit ihren Enkeln.“ Und so stolz die Kinder auch sind, ihre Großeltern bei Kita-Festen oder Ausflügen ihren Freunden vorstellen zu können – an diesen Tagen genießen sie es, Oma oder Opa ganz für sich allein zu haben.

© Fotos im Text: Kerstin Kreikenbohm.

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