9 + 3 =

fünf × 2 =

Zuhause, in der Kita und unterwegs im Dorf oder im Stadtteil – Kinder erleben und lernen den ganzen Tag über Neues. Deshalb hört gute frühe Bildung auch nicht mit dem Gang aus dem Elternhaus oder aus der Kita auf. Im Gegenteil: Die Welt lässt sich überall erkunden und erobern. So tragen neben den Eltern und Kita-Fachkräften viele weitere, ganz unterschiedliche Menschen und Einrichtungen im Umfeld der Kinder dazu bei, dass diese bestmöglich aufwachsen und ihre Potenziale entfalten können.

Um dieses Engagement in der frühen Bildung zu würdigen, zeichnet der Deutsche Kita-Preis seit nunmehr vier Jahren Kindertagesstätten und Bündnisse aus, die ihr Handeln konsequent am Kind ausrichten und den unterschiedlichen Lebenswelten der Jüngsten und ihren Familien Rechnung tragen. 

Auf der Suche nach den „40 Besten des Jahres“

Im aktuellen fünften Durchgang des Deutschen Kita-Preises hat die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung gemeinsam mit dem Bundesfamilienministerium, der Internationalen Akademie Berlin (INA) und dem Institut für Bildung, Forschung und Entwicklung Welt:Stadt:Quartier aus insgesamt rund 1.200 Bewerbungen 25 Kitas und  15 lokale Bündnisse für frühe Bildung ausgewählt, die preisverdächtig sind. Für diese Nominierten geht nun die spannende Reise beim Deutschen Kita-Preis weiter.

Doch was macht diese Kitas oder lokale Netzwerke eigentlich so besonders? An welchen Qualitätskriterien haben sich die Expert:innen bei der Vorauswahl dieser „40 Besten des Jahres“ orientiert – und inwiefern spielen die Bedürfnisse der Eltern eine Rolle?

Rund um Kita hat die Expert:innen der zwei Preiskatgorien gefragt:

Milena Lauer, Institutsleitung des Berliner Kita-Instituts für Qualitätsentwicklung in der Internationalen Akademie Berlin (INA) – Expertin für die Kategorie „Kita des Jahres“

 

Peter Bleckmann, Leiter des Instituts für Bildung, Forschung und Entwicklung „Welt:Stadt: Quartier“, Experte „Lokales Bündnis für frühe Bildung des Jahres“.

Was ist Ihre Aufgabe beim Deutschen Kita-Preis?

Mein Team des Berliner Kita-Instituts für Qualitätsentwicklung in der Internationalen Akademie Berlin (INA) ist für die fachliche Begutachtung der Bewerbungen in der Kategorie „Kita des Jahres“ zuständig. Dabei orientieren wir uns an den vier Dimensionen Kindorientierung, Sozialraumorientierung, Partizipation und lernende Organisation.

 

 

Als Institut Welt:Stadt:Quartier sichten wir die Bewerbungen in der Kategorie „Lokales Bündnis für frühe Bildung des Jahres“. Als Institutsleiter bin ich zum einen die Kommunikations-Schaltstelle für ein Team von insgesamt vier Personen, aber auch mit der DKJS, so dass Prozesse und Termine für alle Seiten klar sind. Zum anderen bin ich auch selbst an der Begutachtung beteiligt und schreibe Berichte für die Jury.

Wie werten Sie die Bewerbungen der Einrichtungen im ersten Auswahlschritt aus?

Die Begutachtung der Bewerbungen erfolgt in drei Stufen. Als erstes werden alle eingegangenen Motivationsschreiben der Kitas anonymisiert gelesen und anhand von verschiedenen Kriterien begutachtet. Von diesen wählen wir 25 nominierte Einrichtungen aus, die in einem nächsten Schritt ausführlichere Unterlagen einreichen dürfen. Die Auswahl der Nominierten bis hin zu den Finalisten erfolgt in Abstimmung mit der DKJS und dem BMFSFJ.

 

 

Die Begutachtung läuft insgesamt in mehreren Schritten ab: Im ersten lesen wir sämtliche Bewerbungen im Vier-Augen-Prinzip, also mit mindestens zwei Expert:innen. Wenn dabei Fragen entstehen oder die beiden das Bündnis unterschiedlich bewerten, kommt ein:e dritte Expert:in hinzu. Zum Abschluss dieser ersten Phase machen wir einen Diskussionsvorschlag für die Auswahl der 15 nominierten Bündnisse. Diese Diskussion wird mit Vertreter:innen der DKJS und des Bundesfamilienministeriums geführt und schließlich entschieden.

Woran kann man erkennen, dass eine Kita oder ein Bündnis gute Arbeit leistet?

Das Handeln der Kitas ist konsequent am Kind sowie an den unterschiedlichen Lebenswelten von Kindern und ihren Familien ausgerichtet. Sie achten deren Rechte und gestalten mit ihnen ein anregungsreiches Kita-Leben. Den Sozialraum berücksichtigen sie als Erfahrungsfeld in ihrer Arbeit und pflegen Beziehungen über die Kita hinaus. Sie unterstützen die Familien und engagieren sich für gute Bedingungen für Kinder und Familien in ihrem Sozialraum. Sie beteiligen Kinder, Familien und Kolleg:innen an der Gestaltung des Kita-Lebens und an gemeinsamen Entwicklungsprozessen. Und sie begreifen sich als lernende Organisation und entwickeln die Qualität ihrer Kita stets weiter. Das Team, die Leitung und der Träger übernehmen dabei gemeinsam Verantwortung. Sie greifen die Bedarfe der Kinder und Familien auf.

 

Um diese schwierige Frage zu beantworten, wurden bei der Entwicklung des Deutschen Kita-Preises vier Qualitätsdimensionen erarbeitet, die seitdem die Auswahl bestimmen: Kindorientierung, Sozialraumorientierung, Partizipation und Lernen im Prozess. Diese vier Dimensionen sind weiter heruntergebrochen und konkretisiert worden. Bei den Bündnissen lernen wir sehr viel in den direkten Gesprächen. Zu einem gut funktionierenden Bündnis gehört für uns, dass die Akteur:innen langfristig, über einzelne Projektzeiträume hinaus, miteinander kooperieren, gemeinsam die Lage vor Ort analysieren, Kinder und Familien einbeziehen sowie aus den Erfahrungen lernen.

 

 

Kitas und Lokale Bündnisse arbeiten in unterschiedlichen Gegenden und haben unterschiedliche finanzielle oder räumliche Voraussetzungen. Wie kann man dennoch allen Bewerbenden gleich gerecht werden?

Diese Kontextbedingungen berücksichtigen wir mit den eben beschriebenen vier Dimensionen Kindorientierung, Sozialraumorientierung, Partizipation und Lernende Organisation.

Die Pädagog:innen finden mit Engagement und innovativen Ideen passende Antworten auf die Fragen und Herausforderungen, die sich ihnen vor Ort stellen.

 

 

 

 

Es ist unser Anspruch, die besonderen Leistungen jedes einzelnen Bündnisses vor dem Hintergrund der jeweiligen Bedingungen zu verstehen. Das betrifft u.a. auch die Frage, ob ein Bündnis schon lange existiert oder erst vor kurzem gegründet wurde. Weder das eine noch das andere ist per se „gut“, sondern wir fragen: Was machen die Akteur:innen aus der jeweiligen Situation? Gerade das ist es ja auch, was in den Qualitätsdimensionen ausgedrückt wird. Beispiel Sozialraumorientierung: Hier fragen wir uns, wie das Bündnis sich mit den Bedingungen vor Ort auseinandersetzt und dazu passende Antworten findet. Diese werden im städtischen Ballungsraum anders aussehen als in ländlichen Gebieten.

Die Kinder stehen natürlich immer im Mittelpunkt – doch werden auch die Bedürfnisse ihrer Eltern und Familien bei der Bewertung mitberücksichtigt?  

Ja, Eltern werden von den Kitas ebenso bei wesentlichen Entscheidungen einbezogen wie die Kinder. Die Perspektiven der Familien werden in den späteren „Vor-Ort-Besuchen“ ebenso erhoben wie die Perspektiven der Kita-Akteure und der Kinder.

Außerdem honorieren wir Kita-Teams, die sich vor Ort für die Belange von Familien einsetzen und sich dafür lokalpolitisch und gesellschaftlich engagieren.

Darüber hinaus würdigen wir auch Kitas, die sich für Familien öffnen. Das heißt, dass Angebote für Familien in der Kita stattfinden, Eltern sich in der Kita treffen können oder die Familien die Einrichtung bzw. das Außengelände auch außerhalb der Öffnungszeiten nutzen können. Gerade in ländlichen Regionen beschreiben die Kitas, dass sie ein wichtiger Ort des sozialen Lebens für Familien sind.

 

 

Die Qualitätsdimension „Partizipation“ umfasst die Beteiligung nicht nur der Kinder, sondern auch der Familien und der Fachkräfte. Hier geht es also unter anderem um die Frage, ob die Bedürfnisse der Familien überhaupt bekannt sind, wie sie erhoben werden und in welcher Weise Eltern auf Prozesse Einfluss nehmen können.

In diesem Jahr (2021) war beispielsweise ein Bündnis unter den Preisträgern, das ich diesbezüglich als vorbildlich empfinde: Zum einen werden die Familien bei der Suche nach einer geeigneten Kinderbetreuung von der Kommune sehr aktiv unterstützt; zudem gibt es in den Einrichtungen speziell geschultes Personal, um Fragen und Anregungen der Eltern aufzugreifen und darauf zu reagieren. In einem anderen Fall waren es sogar die Eltern, die das ganze Bündnis durch ihre Initiative überhaupt erst haben entstehen lassen, so dass sich dem am Ende auch die Politik nicht entziehen konnte.

(© der Portraitfotos: Milena Lauer und Peter Bleckmann)

Die nominierten Kitas reichen derzeit weitere Unterlagen ein, welche die Expert:innen in den nächsten Wochen auswerten. Die nominierten Initiativen der Kategorie „Lokales Bündnis für frühe Bildung des Jahres“ stellen ihre Arbeit in Telefoninterviews detaillierter vor.

Welche zehn Kitas und Bündnisse es jeweils ins Finale des Deutschen Kita-Preises geschafft haben, steht dann Mitte Dezember fest. Die Preisträger werden im Frühsommer 2022 feierlich bekanntgegeben.

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