Ein Anruf bei der Familie am frühen Morgen: Die Tagesmutter meldet sich krank.

Oh je, was nun? Muss ein Elternteil zuhause bleiben und selbst auf den Nachwuchs aufpassen? Schließlich betreut die Tagesmutter die fünf Kinder normalerweise allein in ihrem Haushalt…

Nur wenige Väter oder Mütter müssen daheimbleiben, wenn die Kindertagespflegeperson ihres Nachwuchses krank, verreist oder auf einer Fortbildung ist. Denn eine zuverlässige Vertretungslösung ist mittlerweile ein wichtiges Qualitätskriterium in der Kindertagespflege und wird normalerweise schon vor der Anmeldung des Kindes geklärt.

Welche Vertretungsmöglichkeiten gibt es?

In den letzten Jahren haben sich verschiedene Vertretungsmodelle etabliert:

  • Das sogenannte Tandem, bei dem zwei Personen gemeinsam nicht mehr als die erlaubten fünf Kinder betreuen und sich gegenseitig vertreten.
  • Mobile Springer, die keine eigenen Kinder beaufsichtigen und dann direkt im Haushalt der zu vertretenden Person aktiv werden können.
  • Tagespflegeeltern, die sich zusammentun und je einen oder mehrere der eigenen Plätze freihalten, auf welche die Kinder einer betroffenen Gruppe verteilt werden.
  • In größeren Ortschaften gibt es externe Vertretungsstützpunkte, in denen eigens dafür eingestellte Personen bei einem Ausfall ganze Gruppen aufnehmen können.
  • Oder Großtagespflegestellen, in denen zwei Leute ihre Kinder gemeinsam betreuen, so dass bei einem Ausfall neben der Vertretung immer noch eine vertraute Person dabei ist.
  • Manche Tagesmütter arbeiten auch mit Kitas, Familienzentren oder Mehrgenerationenhäusern zusammen.

Ute Krüger, Leiterin Niedersächsisches Kindertagespflegebüro (© KTP Göttingen e.V.)

Welche Vertretungslösung den Eltern jeweils zur Verfügung steht, hängt stark von den Rahmenbedingungen ab: „Es kommt unter anderem auf die örtlichen Gegebenheiten an, also ob das Kind auf dem Land oder in der Stadt betreut wird“, erklärt Ute Krüger, Leiterin des Niedersächsischen Kindertagespflegebüros. „Außerdem spielt es eine Rolle, wie viele Kinder normalerweise bei einer Tagespflegeperson sind und wie mobil oder flexibel diese ist.“ Das Stützpunktmodell wird besonders häufig angeboten, da hier Standort, Räumlichkeiten, Zahl der Vertretungen und Betreuungszeiten am besten den Bedarfen der jeweiligen Kommune angepasst werden können.

 

Kinder reagieren unterschiedlich auf die Vertretung

Ausfälle – geplante wie ungeplante – gibt es in jeder Kindertagespflege. Und trotz guter Vorbereitung ist es für Kinder jedes Mal eine besondere Situation, wenn die eigene Tagesmutter oder der Tagesvater nicht da ist. Gehen doch gerade die Kleinen, unter Dreijährigen, die eine feste Bezugsperson und ein familiäres Umfeld brauchen, um sich wohl zu fühlen, zu Tagespflegeeltern. Je nach Vertretungsmodell sind die Kinder dann vielleicht in fremden Räumlichkeiten untergebracht und kommen mit neuen Kindern zusammen. Oder sie können im vertrauten Umfeld bleiben und erhalten „nur“ Ersatz-Tagespflegeeltern. Während die einen mit Stress auf neue Konstellationen reagieren, finden andere es wiederum spannend, neue Leute und Spielsachen kennen zu lernen. „Letztendlich reagiert jedes Kind anders“, sagt Ute Krüger. „Je vertrauter ihnen die anderen Kinder, Erwachsenen und Räume sind, desto besser kommen sie auch mit der Vertretungssituation klar.“

Die Vertretungsmodelle im Praxistest

Weitere Informationen zu den Vertretungsmodellen in der Kindertagespflege sowie Erfahrungsberichte aus Städten, die über einen längeren Zeitraum jeweils eines der Modelle erprobt haben, finden Interessierte in der Broschüre des Niedersächsischen Kindertagespflegebüros. Eine Publikation der Informations- und Koordinierungsstelle Kindertagespflege in Sachsen stellt die unterschiedlichen Vertretungsmodelle auch grafisch dar.

Beziehungsaufbau im Vorfeld entscheidend

Auch den Eltern wird bei einem Ausfall der Tagespflegeeltern häufig mehr Flexibilität abverlangt: Der Ort und die Zeiten der Betreuung sind möglicherweise andere, es können Fahrtwege, organisatorische Hürden oder sogar Mehrkosten auf sie zukommen. „Väter und Mütter sollten insbesondere darauf achten, dass ihre Kinder und sie selbst schon vor dem Ausfall mit der Vertretungskraft vertraut sind“, betont Ute Krüger. Die meisten Kindertagespflegestellen legen daher großen Wert darauf, dass sich die Kinder, begleitet von ihrer eigenen Tagesmutter, von Anfang an regelmäßig mit der Vertretung treffen. So können sich beide Seiten in entspannter Atmosphäre kennen lernen und eine Beziehung aufbauen. Idealerweise werden auch die Eltern mit einbezogen und über das mögliche Prozedere im Krankheitsfall informiert.

Wie Eltern ihre Kinder unterstützen können

Und wie gehen Mütter und Väter mit der außergewöhnlichen Betreuungssituation um? Ihre Reaktionen sind ähnlich divers wie bei den Kindern. Manche sind vielleicht nicht immer mit dem Erziehungsstil der Ersatz-Tagesmutter einverstanden oder stören sich an organisatorischen Dingen. Andere sind einfach froh, dass auch im Notfall jemand auf ihren Nachwuchs aufpasst. Unabhängig von den eigenen Wünschen können Eltern ihren Nachwuchs dabei unterstützen, mit der neuen Situation klar zu kommen: Indem sie selbst gelassen bleiben und der vertretenden Person Vertrauen schenken.

Wenn also am frühen Morgen das Telefon klingelt, müssen nicht unbedingt alle Alarmglocken schrillen. Im Gegenteil – wenn die Vertrauensbasis zwischen den Beteiligten stimmt, kann eine zuverlässige Vertretungslösung auch bereichernd sein: Die Kinder üben früh, flexibel zu sein. Sie lernen, mit unterschiedlichen Erwachsenen, Kindern und Räumlichkeiten klarzukommen. Und sie erfahren, dass es manchmal auch in Ordnung ist, wenn jemand anderes auf sie aufpasst.

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