drei × 5 =

2 × fünf =

Welche Kita passt am besten zu uns und unserem Kind? Bei der Wahl der Betreuungseinrichtung spielt die pädagogische Ausrichtung eine wichtige Rolle für Eltern. Hier den Überblick zu bewahren, ist gar nicht so einfach. Denn es existieren zahlreiche gute pädagogische Ansätze für die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung in Kitas.

In unserer Beitragsreihe stellen wir die Besonderheiten der verschiedenen Betreuungskonzepte vor und zeigen anhand eines praktischen Beispiels, wie Kinder und Eltern im Kita-Alltag von der jeweiligen pädagogischen Ausrichtung profitieren.

Teil 9: Der Situationsansatz

Schlüsselsitutationen zeigen, was die Kinder interessiert

Kinder haben von Anfang an eigene Rechte und vollziehen die für ihre Entwicklung und Entfaltung notwendigen Schritte durch eigene Aktivität – diese Sichtweise bestimmt das Bild vom Kind im Situationsansatz. Die Erwachsenen sind wiederum dafür verantwortlich, die Mädchen und Jungen durch verlässliche Beziehungen und ein anregungsreiches Umfeld in diesem Streben nach Weiterentwicklung zu unterstützen.

Die kindlichen Bedürfnisse stehen dabei im Mittelpunkt – und welche das gerade sind, finden die Fachkräfte durch aufmerksames Beobachten der Kinder und die Analyse entsprechender Momente im Alltag heraus. Anhand solcher sogenannten Schlüsselsituationen erkennen die Fachkräfte, was die Kinder interessiert – oder eben auch nicht. Daraus entstehen konkrete Kita-Projekte und Aktivitäten, die der Lebenswelt der Kinder entspringen und entsprechen. Diese sollen die Mädchen und Jungen möglichst eigenständig und aktiv mitgestalten. Bestärkt und unterstützt werden sie dabei idealerweise von ihrem gesamten Lebensumfeld: Andere Kinder, Familien, pädagogische Fachkräfte und auch durch die Gestaltung der Räumlichkeiten zuhause sowie in der Kita.  


Der Situationsansatz in Bildern

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3 Fragen an eine Kita mit Situationsansatz

Kita St. Sebastian, Eppertshausen

Bewusst als Bildungsschwerpunkt gestaltete Räume und Außenbereiche laden die Kinder der Katholischen Kita St. Sebastian in hessischen Eppertshausen zum Forschen, Experimentieren und zu vielen weiteren Aktivitäten ein. Die Einrichtung in Südhessen, die 2019 zur „Kita des Jahres“ gekürt wurde, arbeitet nach dem Situationsansatz. Was diese pädagogische Ausrichtung für den Kita-Alltag bedeutet und wie die Kinder hiervon profitieren – davon berichtet die Kita-Leiterin Veronique Braun.

Worin sehen Sie die besonderen Stärken des Situationsansatzes?

Der Ansatz arbeitet immer mit aktuellen Situationen der einzelnen Kinder oder der Kindergruppe, und dass im Zusammenhang mit dem sozialen Umfeld. Das heißt, die Kinder werden durch die aktuellen Angebote und Forscherfragen an das Leben im Hier und Jetzt gezielt und interessiert herangeführt.

Wodurch hebt sich der Situationsansatz Ihrer Meinung nach von anderen pädagogischen Konzepten ab?

Wir beobachten die einzelnen Kinder oder Kindergruppen ständig und sehr genau in ihrem Spiel, um herauszufinden, mit welchem aktuellen Thema sie sich aktuell wirklich beschäftigen. Diese sogenannte Schlüsselsituation analysieren wir und schaffen daraufhin passende Angebote für die Jungen und Mädchen. Das ist eine besondere Herausforderung für die pädagogischen Fachkräfte.

Wie leben Sie das Konzept im Kita-Alltag? Wie werden die Kinder und ihre Eltern mit einbezogen?

Das Kind wird direkt in seinem Spiel beobachtet. Im Vorfeld sprechen die Fachkräfte mit ihm darüber und machen die Beobachtungszeit für alle anderen sichtbar, indem sie sich ein Schild umhängen, auf dem ein durchgestrichener Mund zu sehen ist. Dies bedeutet, bitte sprecht mich im Moment nicht an, ich beobachte gerade. Zeitgleich notieren sie ihre Beobachtungen oder fotografieren bzw. filmen das Kind im Spiel. Auch die spätere Analyse ihrer Wahrnehmungen wird gemeinsam mit dem Kind reflektiert. Um die Arbeit transparent zu machen, werden alle Schritte – von der Beobachtung, über die Analyse bis hin zum pädagogischen Handeln – für alle Beteiligten dokumentiert. Auch an der Reflexion von Gruppenprojekten können sich alle beteiligen.

Beispielsweise wurde durch die Beobachtungen der Kinder in der Corona-Zeit vermehrt das Nachspielen der aktuellen Situation zu Hause beschrieben. Das führte dazu, dass wir für die Kinder im Rollenspielbereich ein Home-Office eingerichtet haben. Mit Kaffeetasse und Desinfektionsmittel wurde dieses von den Kindern täglich bespielt und wird bis heute in Anspruch genommen. Es gehört nun zur neuen Realität vieler Familien.

Die Eltern werden zudem eingeladen, sich aktiv in das Geschehen der Kita einzubringen, beispielsweise durch das Ausfüllen von „Berufe und Hobbies“-Karteikarten. Mithilfe dieser finden wir „Elternexperten“ für die Forscherfragen der Kinder.


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