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Welche Kita passt am besten zu uns und unserem Kind? Bei der Wahl der Betreuungseinrichtung spielt die pädagogische Ausrichtung eine wichtige Rolle für Eltern. Hier den Überblick zu bewahren, ist gar nicht so einfach. Denn es existieren zahlreiche gute pädagogische Ansätze für die frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung in Kitas.

In unserer Beitragsreihe stellen wir die Besonderheiten der verschiedenen Betreuungskonzepte vor und zeigen anhand eines praktischen Beispiels, wie Kinder und Eltern im Kita-Alltag von der jeweiligen pädagogischen Ausrichtung profitieren.

Teil 6 der Serie: Die Wald- und Naturkita

Im Einklang mit der Natur spielen und lernen

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung! Nach diesem Motto sind die Kinder, Erzieherinnen und Erzieher von Wald- oder Naturkindertagesstätten bei Wind und Wetter im Freien. Der Kita-Tag spielt sich in der Natur, meist in Wäldern, auf Wiesen oder Feldern ab. Dort werden dann meistens auch die Mahlzeiten eingenommen. Lediglich ein Bauwagen oder eine kleine Waldhütte dienen als Schutz vor extremen Witterungen, als Essbereich oder Lagerstätte.

Der Wald ist nicht nur Aufenthaltsort der Kinder, sondern stellt auch deren Spiel-, Bastel-, Bau- und Lernmaterial. Nur selten bringen die Kita-Gruppen eigene Spielsachen mit in den Wald – es sei denn, sie benötigen diese für bestimmte Aktivitäten in der Natur. Die heimische Tier- und Pflanzenwelt bietet ausreichend Anregungen zum Spielen, Beobachten, Nachfragen und Lernen.

Entdeckungsreise durch Jahreszeiten und Witterungen

In den meisten Waldkindergärten ist viel freies Spiel eingeplant, so dass sich die Kinder in Ruhe mit dem beschäftigen können, was sie in der Natur finden. Die Fachkräfte begleiten sie auf diese Entdeckungsreise durch die verschiedenen Jahreszeiten und Witterungen. Der ständige Aufenthalt der Kinder an der frischen Luft und die vielseitige Bewegung in der Natur fördern nicht nur Geschicklichkeit und Motorik der Kinder, sondern stärken auch deren Immunsystem.

Die Idee des Waldkindergartens stammt von dort, wo es auch viel Wald gibt: aus Skandinavien. Dort fanden Anfang des 19. Jahrhunderts die ersten naturpädagogischen Projekte in Schweden statt, bevor rund 50 Jahre später in Dänemark der erste Waldkindergarten gegründet wurde. In den 90er Jahren eröffnete schließlich der erste Kindegarten dieser Art in Deutschland. Seitdem wird das pädagogische Konzept immer beliebter – schätzungsweise 2.000 Wald- oder Naturkindergärten gibt es mittlerweile, Tendenz steigend.


Waldpädagogik in Bildern

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3 Fragen an eine Waldkita

Waldkindergarten „Frischlinge“, Neuss

Im grünen Süden der nordrhein-westfälischen Stadt Neuss, in der Rosellerheide, liegt der als Elterninitiative organisierte Waldkindergarten „Frischlinge“. Der Kita-Alltag findet dort ausschließlich in der Natur statt. Was diese Ausrichtung für den pädagogischen Alltag bedeutet und wie Kinder und Eltern hiervon profitieren, berichtet Jan Scherzer. Er ist pädagogischer Leiter der Elterninitiative, eine der 25 Nominierten für den Deutschen Kita-Preis 2019.

Warum hat sich Ihre Initiative für dieses Konzept entschieden? Worin sehen Sie die Stärken dieses Ansatzes?

Der Wald bietet vielfältige Möglichkeiten zum spielerischen Lernen und zum Erleben der Natur, der Witterungen und den Jahreszeiten in allen Facetten. Hier werden Kreativität und Fantasie der Kinder vielseitig angeregt. Weil das Personal ihnen viel Raum lässt, können sie ihre eigenen Fähigkeiten erproben und verbessern. Das freie Spiel fördert die Eigenständigkeit und bietet viele Möglichkeiten, die Welt selbstbestimmt zu entdecken. Wir gehen nämlich davon aus, dass jedes Kind alles in sich trägt, was es zum Lernen braucht und dass es seine eigene Entwicklung mitgestaltet. Deshalb lassen wir die Kinder selbst entscheiden, wie sie ihren Tag gestalten und ihre Zeit verbringen möchten.

Wodurch hebt sich das Konzept einer Waldkita Ihrer Meinung nach von anderen pädagogischen Konzepten ab?

Wir verbringen die meiste Zeit des Tages unter freiem Himmel, unabhängig von der Witterung. Lediglich bei Sturmwarnungen ziehen wir uns in unsere Bauwagen zurück. Das heißt, wir haben keine festen Räumlichkeiten und kein fließendes Wasser. Hier im Wald können sich die Kinder ausgiebig bewegen, sind viel an der frischen Luft und erleben die Jahreszeiten und Witterungen hautnah mit. Außerdem nutzen sie hauptsächlich Naturmaterialien zum Spielen und Bauen.

Wie leben Sie das Konzept der Waldkita ganz konkret im Alltag?

Nachdem wir täglich gemeinsam abgestimmt haben, welchen unserer Plätze – also den „ersten“ Platz, den Gruben-, Sonnen- oder Tipi-Platz – wir besuchen, können die Kinder entscheiden, ob sie das mitgebrachte Spielzeug (Seile, Sandspielzeug, Malsachen) nutzen wollen, eine Matschsuppe kochen oder lieber über den von uns aufgebauten Parcours klettern wollen. Wir greifen immer wieder die Interessen der Kinder auf und entdecken dabei mit ihnen gemeinsam die Geheimnisse des Waldes.

Dieses Jahr haben wir beispielsweise intensiv das Leben in den Matschpfützen erforscht, denn diese wurden schon immer sehr interessiert von den Kindern begutachtet. So kam es, dass wir uns einige Mikroskope ausgeliehen und gemeinsam Wasserproben gesammelt haben. Diese haben wir dann ausgiebig untersucht. Dabei haben wir nicht nur ganz kleine, sondern auch größere Lebewesen wie Molche und Frösche in den Matschpfützen gefunden.

Pädagogische Konzepte unter der Lupe

Hier finden Sie alle Beiträge auf einen Blick!

Oft bauen wir einen Kletterparcours aus Seilen in verschiedenen Variationen. Zum Balancieren werden mindestens zwei Seile zwischen Bäume gespannt. Auf dem unteren Seil können die Kinder balancieren, während sie sich am oberen festhalten. Bei einer anderen Variante hängen mehrere Seile an einem oben gespannten Seil herunter, so dass die Kinder sich daran entlang hangeln können. Beim Schnitzen oder beim Flechten von Grashalmen erproben die Jungen und Mädchen ihre Fingerfertigkeit. Auch die verschiedenen Jahreszeiten werden immer wieder aufgegriffen, da wir diese ja hautnah miterleben. Dann basteln wir beispielsweise mit Naturmaterialien aus dem Wald oder gestalten auf unserem Gelände einen entsprechenden Jahreszeiten-Tisch. 

Die Eltern bekommen viel von dem mit, was ihre Kinder den Tag über draußen erleben. Zum einen müssen sie die Kleinen ja immer wetterentsprechend anziehen (z. B. Sonnenschutz im Sommer, Matschsachen bei Regen und gefütterte Kleidung bei Kälte). Zum anderen sind sie zu den Bring- und Abholzeiten eine Weile vor Ort und sehen selbst, wie ihre Kinder Natur und die Jahreszeiten erleben. Aus den Erzählungen und Nachfragen der Eltern erfahren wir auch, dass die Kinder gerne von ihren Abenteuern im Wald erzählen.

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