Der Personalschlüssel in Kitas, auch Fachkraft-Kind-Schlüssel genannt, ist ein zentrales Qualitätsmerkmal der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung. Er beschreibt die Anzahl der betreuten Kinder im Verhältnis zu einer Fachkraft, also einer Person mit angemessener pädagogischer Ausbildung und Qualifikation. Der Indikator wird viel diskutiert. Nicht ohne Grund, denn ein guter Fachkraft-Kind-Schlüssel ermöglicht den Fachkräften, eine gute Beziehung zu jedem einzelnen Kind aufzubauen, was sich wiederum positiv auf dessen Entwicklung auswirkt. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem Fachkraft-Kind-Schlüssel und der Fachkraft-Kind-Relation (hier werden die  Begriffe erklärt).

Gute Fachkraft-Kind-Relation sichert Qualität

Es gibt inzwischen wissenschaftlich abgesicherte Hinweise darauf, dass die pädagogische Qualität beeinträchtigt werden kann, wenn eine bestimmte Fachkraft-Kind-Relation nicht erreicht wird. Für Kinder vor dem ersten Geburtstag gilt, es sollte eine Person nicht mehr als zwei Säuglinge betreuen. Für Kinder bis zum dritten Geburtstag ist eine Relation von einer Fachkraft für drei bis maximal vier Kinder wünschenswert. Ab dem dritten Lebensjahr kann davon ausgegangen werden, dass eine Fachkraft für nicht mehr als neun Kinder gleichzeitig verantwortlich sein sollte. Die aktuelle Personalsituation in den Bundesländern erreicht diese Relationen häufig noch nicht, obwohl in den letzten Jahren hier kontinuierlich an Verbesserungen gearbeitet wurde. Die Bertelsmann Stiftung veröffentlicht in regelmäßigen Abständen den Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme, der die Situation in den Bundesländern abbildet.

Wie wird der Fachkraft-Kind-Schlüssel berechnet?

Für jedes Bundesland wird ein Fachkraft-Kind-Schlüssel ausgewiesen. Die Größe wird auf Basis der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik ermittelt. Dabei gibt der Fachkraft-Kind-Schlüssel an, wie viele ganztags betreute Kinder von einer Vollzeit arbeitenden Fachkraft betreut werden. Dabei ist zu beachten, dass die Arbeitszeiten der Fachkräfte, die in die Berechnungen einfließen, sowohl die mittelbare als auch die unmittelbare pädagogische Arbeit umfassen. Demnach sind neben der tatsächlichen Arbeit mit den Kindern auch Vorbereitungszeiten, Teamsitzungen, Elterngespräche usw. enthalten. Zusätzlich unterscheiden sich die Bundesländer in ihren Regelungen, welche Qualifikation die Voraussetzung dafür ist, um als eine pädagogische Fachkraft zu gelten. Entsprechend gibt es Unterschiede, welche in Kitas, Krippen und der Kindertagespflege beschäftigen Personen auf den Personalschlüssel angerechnet werden können. So ist beispielsweise eine Kinderpflegerin in einem Bundesland als Fachkraft anerkannt, in einem anderen jedoch nicht. Alle methodischen Grundlagen der Berechnung sind hier zusammengefasst.

Der Fachkraft-Kind-Schlüssel wird von der Bertelsmann Stiftung in fünf verschiedenen Gruppen untersucht: „Krippengruppen“, „Für Zweijährige geöffnete Kindergartengruppen“, „altersübergreifend, Gruppen mit Kindern unter vier Jahren“, „altersübergreifend, Kinder ab null Jahren bis Schuleintritt“ und „Kindergarten, Kinder ab drei Jahren bis Schuleintritt“.

Große Unterschiede zwischen den Bundesländern

Der aktuelle Ländermonitor von August 2017 zeigt bei der Personalausstattung weiterhin deutliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. In den Krippengruppen haben die Länder Baden-Württemberg und Bremen mit 1: 3,0 bzw. 1:3,1 den besten Personalschlüssel. Diesem Ergebnis steht ein Fachkraft-Kind-Schlüssel von 1:6,1 in Brandenburg und 1:6,5 in Sachsen gegenüber. Rechnet man diese Zahlen um, wird deutlich, dass eine Fachkraft in Brandenburg oder Sachsen doppelt so viele Kinder betreut wie in Bremen oder Baden-Württemberg.

Der Unterschied zwischen neuen und alten Bundesländern bleibt auch in den anderen Altersgruppen bestehen. In der Gruppe der über dreijährigen Kinder haben ebenfalls Bremen und Baden-Württemberg den günstigsten Schlüssel (1:7,5 bzw. 1:7,2). In Mecklenburg-Vorpommern ist das Bild ein anderes: Hier kommen auf eine Fachkraft sogar 13,7 Kinder. In Westdeutschland liegt der Personalschlüssel in dieser Altersstufe im Durchschnitt bei 1:8,5. In Ostdeutschland ist der Durchschnitt deutlich höher: 1:12,2.

Die Kennzahlen der einzelnen Bundesländer hat die Bertelsmann Stiftung hier bereitgestellt.