Zum runden Geburtstag soll die Erzieherin mal etwas anderes als einen kleinen Blumenstrauß bekommen. So sammeln die Eltern der Raupengruppe 40 Euro für einen Bücher-Gutschein, jede Familie spendet ein paar Euro. Nadine freut sich und informiert vorsichtshalber ihre Vorgesetze über das Geschenk. Kurz darauf erreicht alle Elternsprecher der Kita eine Mail der Einrichtungs-Leiterin: Sie bittet freundlich darum, ab sofort nur noch Präsente bis zu einem maximalen Geldwert von 15 Euro zu übergeben – und dies auch nicht in Form von Gutscheinen, sondern nur als kleine Sachgeschenke. Was steckt hinter diesem Anliegen?

Geschenke können auch missverstanden werden

Was von den Eltern eigentlich gut gemeint ist, kommt nicht immer auch bei allen so an. Oft reagiert das Personal in Kitas und Kindertagespflegeeinrichtungen sogar zurückhaltend, wenn es ums Schenken und Spenden in ihrer Einrichtung geht. Hierfür gibt es mehrere Gründe: „Geschenke können, erst recht, wenn sie einen gewissen Umfang überschreiten, zu Missmut unter den Kollegen führen“, sagt Rechtsanwalt Lars Ihlenfeld, dessen Kanzlei sich auf Kita-Recht spezialisiert hat. „Darüber hinaus könnte bei Einzelgeschenken der Eindruck entstehen, ein Kind wurde nur aufgrund eines Präsents oder einer großzügigen Spende aufgenommen.“ Nicht alle Eltern wissen, dass das Beschenken von Betreuungskräften im öffentlichen Dienst nicht immer unproblematisch ist. Die Thematik rückt auch nur selten, etwa durch Medienberichte, ins allgemeine Bewusstsein, so dass Eltern und Kita-Personal meistens nicht vorab besprechen, ob und in welcher Form Geschenke erwünscht sind.

Regeln und Höchstgrenzen für Präsente

„Kitarechtler“ Lars Ihlenfeld (© VEST Rechtsanwälte LLP)

Für Erzieherinnen und Erzieher in kommunalen Einrichtungen, also in Kitas von Städten oder Gemeinden, gelten gesetzlich festgelegte Kriterien zur Annahme von Geschenken, wie überall im öffentlichen Dienst. Dabei sind die tarifvertraglichen Vorgaben in jedem Bundesland anders. Auch private Kitas und Träger sowie Vermittlungsstellen für Tagespflegepersonen sichern sich in dieser Hinsicht ab, etwa durch einen entsprechenden Passus in ihren Arbeitsverträgen oder in den Dienstanweisungen. „Egal in welchem Bundesland – auf der sicheren Seite sind Eltern nur mit kleinen Geschenken unter 25 Euro, selbst wenn es sich um ein Gemeinschaftsgeschenk von der ganzen Gruppe handelt“, erklärt Lars Ihlenfeld.

Fördervereine für Geld- und Sachmittelspenden

Eine Alternative für die Eltern der Raupengruppe wäre es gewesen, wenn sie die Erzieherin nur indirekt beschenkt hätten, indem sie beispielsweise ein paar ihrer persönlichen Wünsche für die Kinder erfüllt hätten. Weil sich viele kommunalen Kitas keine außergewöhnlichen Spiele, Bastel- oder Forscher-Materialien leisten können, können Eltern den Betreuungspersonen auch mit solchen Gruppengeschenken eine Freude machen. Sobald diese allerdings einen bestimmten Geldbetrag überschreiten, sollten sie über die Gründung eines Fördervereins nachdenken: „Ein Förderverein ist optimal für die sichere Gestaltung von größeren Zuwendungen, sowohl Sachspenden als auch Geld. Der ist leicht gegründet (siehe Infokasten) und alle Spenden verlieren jeglichen Anschein von persönlicher Einflussnahme“, sagt Lars Ihlenfeld. „So können die Sachmittelzuwendungen sowohl im öffentlichen Bereich als auch bei privaten Trägern als Spende gewertet werden.“

Persönliches Engagement und positives Feedback

Oft kommt das persönliche Engagement bei der Kita-Belegschaft ohnehin am besten an: Wer freie Tage oder Stunden nutzt, um den Gruppenraum zu verschönern oder die Gruppe auf einen Ausflug zu begleiten, bei der Gartengestaltung oder auf Kita-Festen mit anpackt, entlastet das Personal und bereitet auch den Kindern Freude. Ein paar nette Zeilen auf einer Karte oder ein individuelles Dankeschön beim Bringen und Abholen – es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich „sicher“ bei den Erzieherinnen und Erziehern für ihre Arbeit zu bedanken. Auch der kleine Blumenstrauß kommt immer wieder gut bei den Beschenkten an.

Der nächste Anlass zum Danke sagen ist der bundesweite Tag der Kinderbetreuung am 15. Mai.

Einen Förderverein für die Kita oder Kindertagespflegeeinrichtung gründen

Eine wichtige Voraussetzung für die Gründung eines Fördervereins für eine Kita oder eine Kindertagespflegestelle ist zunächst das Interesse der Einrichtung selbst an bestimmten Geld- oder Sachmittelspenden sowie an der Kooperation mit dem Verein. Zudem sollten sich ausreichend Eltern und Interessierte finden, die nicht nur finanzielle, sondern auch ehrenamtliche Unterstützung leisten wollen, zum Beispiel indem sie an Sitzungen und Veranstaltungen teilnehmen oder sich bei der Spender- oder Mitgliedersuche engagieren.

Zur offiziellen Gründung eines Fördervereins sind mindestens sieben Personen erforderlich. Diese verabschieden in einer Gründungsversammlung eine Vereinssatzung und wählen einen Vorstand. Beispiele für eine Satzung von Kita-Fördervereinen gibt es zahlreich im Netz, beispielsweise hier. Für die Eintragung ins Vereinsregister unterschreiben die Mitglieder des Vorstands das Protokoll der Gründungsversammlung entweder vor Ort beim Amtsgericht oder sie lassen ihre Unterschriften vorab notariell beglaubigen. Die Eintragung ins Vereinsregister ist kostenfrei, wenn die Gründenden den Satzungsentwurf im Vorfeld beim zuständigen Finanzamt vorlegen und sich die Gemeinnützigkeit ihres Vereins bestätigen lassen.