Manche Elternfragen zum Kita-Alltag lassen sich nicht so einfach beantworten. Weshalb es sich lohnt, trotzdem nachzufragen. Erster Teil unserer Beitragsserie „Kita hat System“.

 

Weshalb dürfen die Kinder nicht mehr in die Kita-Küche gehen? Warum können wir nicht einfach eine Rutsche im Garten aufbauen? Manche Elternfragen zum Kita-Alltag lassen sich nicht so einfach beantworten. Denn die Antworten fallen von Kita zu Kita unterschiedlich aus. Oder von Träger zu Träger. Oft auch von Bundesland zu Bundesland.

Jede Kita ist anders organisiert

Es liegt also nicht allein in der Hand des Kita-Personals, die Qualität in der Kindertagesbetreuung sicherzustellen. „Das Kita-System ist komplex und wird von vielen Akteuren auf verschiedenen Ebenen gesteuert“, erläutert Katarina Fuchs von der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS). Als ehemalige Kita-Leiterin weiß sie, wie schwer es für Eltern sein kann, bestimmte Entscheidungen oder Strukturen in der Kita nachzuvollziehen. So haben die meisten Einrichtungen einen Träger, ob frei oder öffentlich, jeder mit eigenen pädagogischen Leitlinien und Standards. Zudem sind Kitas als Teil der Kinder- und Jugendhilfe Sache der Bundesländer, sprich: es gibt 16 verschiedene Kita-Gesetze und Bildungspläne. Und auch der Bund beteiligt sich durch eigene Förderungs- und Investitionsprogramme an der Qualitätsentwicklung in der Kindertagesbetreuung. Nicht zuletzt gibt es auch private Kitas, die wie Unternehmen geführt werden und für die nochmals andere Regularien gelten.

Katarina Fuchs, Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) in Köln.

Die meisten Regelungen haben gute Gründe

Wenn Eltern etwas vom System mitbekommen, dann meistens als Momentaufnahme im Kita-Alltag. Etwa, wenn beliebte Routinen, wie der Kinderbesuch in der Küche, plötzlich abgeschafft werden oder gut gemeinte Vorschläge, wie die Rutsche im Garten, nicht in die Tat umgesetzt werden können. Oft liegt die Verantwortung nicht bei der Kita-Leitung, sondern beim Träger, der sich wiederum an die Landesgesetze oder bestimmte Hygiene- oder Sicherheitsvorschriften halten muss. So könne schon ein einziger Vorfall, etwa ein Unfall in einer Kita, dazu führen, dass alle anderen Kitas desselben Trägers gleichermaßen von neuen Vorschriften betroffen sind, erzählt Katarina Fuchs. „Niemand denkt sich einfach so Richtlinien für die Kita aus“, betont die Sozialpädagogin. „Die meisten Regelungen haben gute Gründe.“

Transparenz sorgt für Verständnis bei Eltern

Die Leitungsfachkräfte stehen in solchen Situationen oft zwischen den Stühlen: „Einerseits verstehen sie die individuellen Bedürfnisse und Fragen der Eltern. Andererseits sind sie verpflichtet, die Rahmenbedingungen ihrer Einrichtung einzuhalten“, sagt Katarina Fuchs. „Kita-Leitungen sollten wichtige strukturelle Entscheidungen, die die Einrichtung treffen, transparent darlegen. So vermeiden sie mögliche Missverständnisse und Unmut.“ Leider fehle vielen Leitungsfachkräften die Zeit für erklärende Aushänge, E-Mails und Dokumentationen. Idealerweise springen hier die Elternvertreter vermittelnd ein (Infokasten).

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Nachfragen – aber nicht vergleichen

Auch unabhängig vom Engagement in den Elternvertretungen können Mütter und Väter selbst in ihrer Kita oder beim zuständigen Amt nachfragen, wenn ihnen etwas unklar ist. Manchmal hilft auch ein Blick auf die offiziellen Webseiten der Einrichtungen, Träger oder Kommunen, etwa um sich über Leitlinien oder Strukturen zu informieren. „Wenn Eltern die Prozesse im Hintergrund verstehen, können sie unliebsame Entscheidungen nicht nur besser verstehen und akzeptieren, sondern auch gemeinsam mit dem Team nach Lösungen suchen“, darin ist sich Katarina Fuchs sicher. Eines sollten Eltern aber nicht tun: Ihre Einrichtung mit anderen vergleichen. Denn jede Kita ist anders.

 

In unserer neuen Beitragsserie „Kita hat System“ beantworten wir in den kommenden Wochen Elternfragen zum Kita-Alltag. Und geben Beispiele, wie die Arbeit in den Einrichtungen von den jeweiligen Rahmenbedingungen beeinflusst wird. Dafür nehmen wir die Perspektiven der jeweiligen Akteure im System ein.

Warum Kita-Leitungen aus verschiedenen Bundesländern unterschiedlich auf eine Elternfrage zur Eingewöhnung antworten, erfahren Interessierte hier.

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