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Noch sind die Kitas bis auf Notbetreuungsgruppen geschlossen, die meisten Kinder und ihre Familien bleiben zuhause – die Situation der letzten Wochen wird so oder ähnlich wohl noch eine Weile andauern. Was bedeutet, dass viele Kinder immer noch nicht in direkten Kontakt mit ihren Kita-Freunden sowie mit den Erzieherinnen und Erziehern treten können. Was alle Seiten nicht davon abhält, sich dennoch – oder gerade deshalb – zu zeigen, dass man aneinander denkt und füreinander da ist. Das geschieht auf sehr unterschiedliche und kreative Art und Weise.

Wir haben die Finalisten-Kitas des Deutschen Kita-Preises 2020 gefragt, wie ihre Einrichtung derzeit Kontakt zu jenen Kindern und Eltern hält, die aufgrund der Corona-Pandemie zuhause bleiben müssen. Die folgenden Beispiele machen deutlich, dass das persönliche Engagement der Kita-Gemeinschaften weit über den Alltag in den Einrichtungen selbst hinaus geht:

Kindergarten St. Franziskus im Kirchtal, Benningen am Neckar:

Foto: Kindergarten St. Franziskus.

„Den Kontakt zu unseren Kindern zu halten war für uns von Anfang an selbstverständlich. Sie erhalten jede Woche Kinderpost in ihrem Briefkasten, die von unseren Kinderpostboten ausgetragen wird. Die Post ist nach Altersstufen differenziert und hat immer ein anderes Thema. In dem schön gestalteten Umschlag finden die Kinder jedes Mal eine Geschichte, ein Lied oder Fingerspiel, ein Experiment, eine Bastelanleitung, eine Spielidee und was Besonderes, wie zum Beispiel Blumensamen oder Wackelaugen. In der letzten Kinderpost waren die Wahlunterlagen für die Abstimmung des Namens für die neue Kindergruppe im Herbst. Unsere Kindergartenzeitung wurde verschickt. An unserer Eingangstüre hängt ein großer bunter Regenbogen, den die Kinder mit ihren eigenen Regenbögen ergänzen. Ein Guckloch darin lädt zum Entdecken und Staunen ein. Wir verschicken Filme, in denen wir Bilderbücher vorlesen. Für die Vorschüler gibt es einen digitalen Morgenkreis. Jede Woche kommen neue Ideen hinzu.“

CJD Kita Stubs und Fridolin, Berlin-Spandau:

Foto: CJD Kita Stubs &Fridolin.

„Im Team kam der Gedanke auf, den Kindern einen ersten Brief zu schreiben. Wir haben darin gefragt, wie es den Kindern geht. Auf diesen Brief erhielten wir viele Antworten in Form von Briefen, Päckchen, Ostertüten, Fotos und gebastelten Geschenken. Im zweiten Brief haben wir Anregungen für die Freizeitgestaltung gegeben und Fotos verschickt. Wir haben auch jedem Kind, das uns geschrieben hat, persönlich geantwortet. In der nächsten Etappe überlegten wir uns, die Familien zuhause anzurufen, um so zu erfahren, wie es ihnen geht und ob sie Hilfe oder Rat brauchen. Die Familien haben sehr positiv auf diese Gespräche reagiert und nun rufen manche Kinder auch selbst an, wenn sie mal mit ihrer Bezugspädagogin sprechen möchten. Zu Ostern haben wir Briefe mit einem kleinen Schmetterling darin verteilt, nächste Woche wird es eine Frühlingstüte mit einem kleinen Geschenk sein. Der Briefkontakt bleibt also weiterhin bestehen. Am Zaun der Kita hängt ein Gruß für alle Kinder: Wenn sie vorbei gehen, sehen sie, dass wir sie nicht vergessen haben.“

Lorenzini Kunst-Kita Strese, Hamburg-Altona:

Foto: Lorenzini Kunst-Kita.

„Um Kontakt zu halten und den Kindern in Erinnerung zu bleiben, haben wir einen eigenen geheimen Youtube-Kanal ins Leben gerufen. Nicht nur die Mitarbeitenden, sondern auch die Kinder beteiligen sich mit allen möglichen Videos. Hier zum Beispiel wurde der Morgenkreis der Notbetreuung gefilmt, so dass auch die Kinder zuhause daran teilhaben können – und zwar genau so, wie es in jeder Familie gerade am besten passt. Das Angebot an Liedern, Geschichten, Grußbotschaften und anderem wächst stetig. Neben gemeinsamen Aktionen, wie einem Fenster voller Regenbögen, werden auch Karten geschrieben, Videotelefonie genutzt und Beschäftigungsideen mit den Eltern geteilt. Die Kollegen schöpfen alle technischen und kreativen Möglichkeiten aus, um im Leben der Kinder, das sich so plötzlich verändert hat, weiterhin präsent zu sein und den Eltern zuhause Unterstützung zu bieten. Manchmal bekommen wir auch einen kurzen Besuch am Fenster, wenn die Kinder vorbeispazieren.“

Waldkindergarten „Waldfüchse“, Lich:

Foto: Waldkindergarten Lich.

„Im Januar hatten wir einer Holzwerkstatt im Nachbarort aufgetragen, Nistkästen für unseren Waldkindergarten anzufertigen, gebaut von Menschen mit Behinderung. Jedes Kind übernahm eine Patenschaft für einen Nistkasten. Geplant war, die Kästen gemeinsam mit den Kindern anzumalen und Mitte März in die Bäume zu hängen. Bevorzugt in die Eichen um unseren Bauwagen, wo uns im letzten Jahr der Eichenprozessionsspinner überrascht hat. Denn die Meisen, das wissen die Kinder, fressen die Raupen des Schädlings im frühen Stadium. Gerade als die Kästen fertig gebaut waren, mussten wir den Kindergarten leider wegen Corona schließen. Damit das Aufhängen der Nistkästen trotzdem nicht warten musste, schrieben wir den Familien, dass sie die Kästen im Gartenfachgeschäft eines unserer Kita-Eltern abholen und zuhause anmalen dürfen. Nun bringen die Kinder ihren Meisenkasten gemeinsam mit ihren Eltern in den Wald, legen ihn unter unseren Bauwagen – und wir hängen ihn dann auf. Als Nächstes bekommt jedes Kind auf dem Postweg eine persönlich geschriebene Grußkarte, mit einem Foto aus dem herrlich grünen Wald.“

PINGUIN Kindertagesstätte, Aurich:

Foto: PINGUIN Kindertagesstätte.

„Unsere Kita hält auf vielfältige Weise Kontakt zu den Familien – persönlich, digital und per Post. Schon seit Beginn der Corona-Pause versorgt ein Newsletter Kinder und Eltern sechs Tage in der Woche mit Bastel- und Spieltipps, Hörspielen und Aktions-Ideen. Bei einer Kiesel-Aktion etwa gehen kleine Steine mit unserem Kita-Logo auf die Reise, bei den Aufgaben am Schnürchen holen sich die Kinder Zettel mit kleinen Aufgaben vor der Kita ab, die sie zuhause erledigen. Ein Bücherregal lädt zum Tausch von Lese-Stoff ein und Bastelmaterialien stehen abholbereit im Windfang der Einrichtung. Zudem wurde ein Kita-Song produziert, der die Identifikation mit der Einrichtung stärkt. Zwei Mal wöchentlich basteln Erzieherinnen auf einem Instagram-Live-Stream mit den Kindern vor den Bildschirmen. Dieses Angebot soll ausgeweitet werden, um weiterhin Kinder, die nicht in der Notbetreuung sind, zumindest digital in die Kita zu holen. Wir informieren die Familien auf unserer Homepage, im Newsletter sowie über Mail-Elternbriefe, sobald sich etwas an der Situation rund um die Kinderbetreuung ändert.“

Kita Glückspilz, Brakel-Frohnhausen:

Foto: Kita Glückspilz.

„Immer wieder drehen wir für unsere Kinder kleine Glückspilzvideos: So hören sie unsere Stimmen und sehen, dass es uns gut geht. Wir geben ihnen kreative Ideen, etwa zur Bepflanzung der Hochbeete, Herstellung von Bienenpralinen, Erzählspaß mit Kamishibai, Fingerspiele, Entspannungsreise, Quietschiejagd, Kuchen backen oder eine lustige Kochrunde. An Ostern haben wir unsere Kinder und Eltern mit einer Becherlupe in ihren Gärten überrascht. Die Kleinen freuen sich über Glückspostkarten und besondere Geburtstagsgrüße. An unserem Kita-Fenster steht: Wir vermissen euch. Diese Botschaft richtet sich an alle Kinder, Eltern und auch Bewohner aus Frohnhausen. Die Kinder aus der Notgruppe bemalen Steine mit Glückspilzen, Regenbögen oder anderen Kunstwerken und verteilen diese auf unseren täglichen Spaziergängen im Dorf bei ihren Freunden in den Gärten. Jedes Jahr bekommen unsere Kinder individuelle Schultüten als Abschlussgeschenk. Da unsere Feier leider ausfallen muss, bringen wir die Schultüte bei jedem Kind zuhause vorbei.“

Kindergarten St. Bartholomäus Klarenthal:

Foto: Kita St. Bartholomäus.

„Wir halten Kontakt zu allen Kindern und zeigen ihnen, dass wir an sie denken und sie vermissen. Neben vielen, individuell nach Interesse und Alter zusammengestellten Spiel- und Bastelideen erhielt jedes Kind vor Ostern ein Anschreiben der Bezugserzieherin. Darin fanden sie auch Grassamen zum Einsäen in leere Eierschalen, Rezepte für Salzteig oder um Leckerli für das Haustier zu machen, ein Forscherexperiment sowie die Anregung, anderen Menschen mit bemalten Steinen im Wald eine Freude zu machen. Seit diesem Anschreiben bekommen wir viele Rückantworten: Ganze Wochenabläufe mit Fotos, selbst gemalte Bilder – und eine Menge bemalter Steine entlang des Kita-Zaunes. In den Briefen der Kinder und Eltern erfahren wir, wer gerade Fahrradfahren gelernt hat, seinen Schnuller nicht mehr braucht und ganz besonders, was die Kinder so vermissen. In erster Linie sind das die Spielgefährten, wir Fachkräfte oder unsere Kita-Tiere. Beim Austeilen ihres Antwortbriefes konnte so manche Erzieherin auch ein freudiges Gespräch über den Gartenzaun oder zum Balkon hinauf führen.“

Kita Rehfelder Straße, Dresden:

Foto: Franziska Angermann.

„Die Art und Weise, wie wir die Beziehung zu unseren Familien aufrechterhalten ist abwechslungsreich: Von A wie Anrufe bis Z wie Zaungespräche. Wir bleiben flexibel und berücksichtigen individuelle Bedürfnisse. Einigen reicht eine Mail, andere brauchen ein offenes Ohr und wieder andere freuen sich über verschiedene Angebote. In einem Newsletter berichten wir von Aktuellem und verweisen auf digitale Angebote. Wir senden immer wieder das Signal: Wir sind da! Meldet euch! Wir versichern den Kindern per Anruf, dass wir ihren Geburtstag nachfeiern, schicken Videos, die zum Lachen bringen und versenden individuelle Grüße per Post. Manche Bezugserzieherinnen schreiben Briefe, andere personalisierte Mails oder Videobotschaften inklusive Geburtstagsständchen. Zu Ostern haben wir eine Collage von uns verschickt und dazu eingeladen, sich an einer Gemeinschafts-Regenbogenaktion zu beteiligen, bei der Kinder einen Regenbogen als Symbol der Hoffnung gestalten. So wächst unsere Galerie und ist für die Kinder in der Notbetreuung eine Brücke zu den Kindern zu Hause.“

Güstener Spatzen, Güsten:

Foto: Güstener Spatzen.

„Unsere Verbandsgemeinde hatte die Idee, gemeinsam mit zahlreichen Netzwerkpartnern ‚Home-Office‘ für die Kinder anzubieten. Auch wir beteiligten uns an der Aktion und steuerten u. a. Bastelanleitungen und Material bei. Die bestückten Umschläge wurden dann in verschiedenen Supermärkten hinterlegt und konnten von Interessierten mitgenommen werden. Des Weiteren haben wir an unserem Kita-Zaun ‚Angebotstaschen‘ angebracht, in denen Kinder und Eltern Ideen, Geschichten, Fingerspiele und Anregungen für alle Altersbereiche (Krippe, Kindergarten und Hort) finden. Ebenfalls am Zaun hängen diverse Hinweise, wie z.B. der QR-Code zum Deutschen Kita- Preis sowie die Webadresse unseres neuen You Tube Kanals, auf den wir regelmäßig Videos aus der Kita hochladen. Wir rufen unsere Geburtstagskinder an ihrem Ehrentag an und senden Familien mit besonderen Bedarfen individuelle Förderangebote zu. Auch zu allen anderen Kindern und Eltern halten wir Telefonkontakt. Die Kinder in der Notbetreuung haben Bilder für die daheim betreuten Altersgenossen gemalt und uns ihren Wunschtext diktiert. Diesen haben wir dann auf den Bildern ergänzt, z.B. Wenn ihr wieder da seid, spielen wir Fußball! Wir erhielten viele positive Rückantworten, neben Briefen war auch eine leckere Danke-Torte dabei!“

Inklusive WABE-Kita, Lauenburg/Elbe:

Foto: WABE-Kita.

„In unserer Kita betreuen wir normalerweise bis zu 155 Kinder. Die meisten von ihnen dürfen die Einrichtung momentan nicht besuchen. Um mit ihnen in Kontakt zu bleiben, haben wir den Familien zu Ostern eine kleine Überraschung zukommen lassen: Farbenfroh gestaltete Ostergrüße mit der Anleitung zu einem Fingerspiel sowie einem kleinen Büchlein. In dem Brief haben wir die Kinder aufgerufen, uns zurückzuschreiben. Viele Briefe und Zeichnungen gehen seitdem in der Kita ein, die wir zur Erinnerung in den Portfolio-Ordnern sammeln. Gerade bereitet das Team kurze Videosequenzen mit Geschichten, Bastelanleitungen, Neuem aus der Kita und vielem mehr vor. Über die interne Cloud können die Kinder so ein Stück Kita auch von zuhause aus erleben. Außerdem unterstützen wir die Eltern regelmäßig mit Anregungen für die Betreuung zuhause. Inspiration finden die Familien auch auf der Webseite unseres Trägers: Dort wurden verschiedene Ideen aus allen Einrichtungen zusammengetragen.“

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