Sie sind rot, grün oder bunt bedruckt, aus Plastik oder Metall, mit oder ohne Trennwand. Noch interessanter als ihr Aussehen ist das, was drinsteckt, in den Brotboxen oder Vesperdosen: Belegtes Brot, Gemüse und Obst? Kuchen oder sogar Schokolade? Wenn sich Kita-Kinder zur so-genannten Vesper zusammensetzen, wird erst einmal geschaut: Was hat Mama mir heute eingepackt? Und vor allem – was ist bei den anderen drin?

Wir haben Carmen, eine Erzieherin aus Berlin gefragt, was sich üblicherweise in den Brotdosen verbirgt und was die gemeinsame Zwischenmahlzeit für Kita-Kinder und Eltern bedeutet. Carmen ist in der Kita Westfälische Straße des Nachbarschaftsheims Schöneberg e.V. tätig.

Wann werden in Ihrer Kita die Brotdosen ausgepackt?

Unsere Kinder packen die Boxen zum Frühstück am Vormittag und nachmittags, nach dem Mittagsschlaf, aus. Vormittags können die Kinder wählen, wann sie vespern – wir nennen es „rollendes Frühstück“ – aber am liebsten essen die Kinder einer Gruppe gemeinsam.

Was bringen die Kinder in ihren Vesperboxen mit?

Mehrheitlich Brot mit Wurst oder Käse, Obst und Gemüse, kleine Würstchen oder Joghurt. Manchmal sind auch Knabbersachen, süße Snacks oder Schokolade dabei. Viele Eltern bringen zusätzlich Obst oder Gemüse in die Kita, das wir dann aufschneiden und allen Kindern der Gruppe anbieten.

Die Kleinen greifen gerne auch mal
ungefragt in die Box des Nachbarn.

Sprechen die Kinder über den Inhalt der Boxen?

Ja, die Kinder erzählen gerne, was sie dabeihaben. Und natürlich interessieren sie sich brennend dafür, was andere mitbringen: Was ist das? Oh, davon möchte ich auch haben! Bei den Großen entwickelt sich meist von selbst ein Gespräch übers Essen oder die Verpackung. Das können wir aufgreifen, um mit den Kindern über Essgewohnheiten oder auch das Vermeiden von Müll zu sprechen.

Knabbersachen sind besonders beliebt (© DKJS/C. Grehl).

Und die Kleinen, die noch nicht sprechen können?

Auch die haben großes Interesse daran, was in den verschiedenen Brotboxen steckt. Wir versuchen, dieses Interesse und das Sprechen zu fördern, indem wir beispielsweise die Obst- und Gemüsesorten benennen, die die Kinder dabeihaben. Aber meistens sind sie noch sehr mit dem Essen selbst beschäftigt.

Dürfen die Kinder ihr Essen tauschen?

In unserer Kita ist Tauschen erlaubt, die Großen machen das selbstständig, wenn sie wollen. Die Kleinen haben die Sprache dafür noch nicht – da kann es schon mal vorkommen, dass sie ungefragt in die Brotbox des Nachbarn greifen, um etwas Neues auszuprobieren. Das schmeckt dann natürlich besonders gut!

Gelegenheit, sich zu unterhalten
und Selbstständigkeit zu üben. 

Gibt es Rituale für die Zwischenmahlzeiten?

Wir singen Lieder, beispielsweise einen Morgengruß, um die gemeinsame Vesper einzuläuten. Dann sagen die Kinder einen Tisch-Spruch auf, bevor sie mit dem Essen beginnen. Oft nutzen wir das Beisammensein und die Ruhe am Tisch, um Dinge zu besprechen oder die Kinder von ihren Erlebnissen berichten zu lassen. Außerdem ist das gemeinsame Essen ideal, um deren Selbstständigkeit zu fördern.

Inwiefern?

Die Kinder decken gemeinsam den Tisch, holen sich selbstständig ihre Rucksäcke, öffnen die Schnallen, Reisverschlüsse, Brotboxen und Tütchen selbst. Die Älteren helfen den Jüngeren dabei. Nach dem Essen stellen alle ihr Geschirr selbst auf den Essenswagen und räumen die Boxen und Rucksäcke alleine wieder weg – alles Rituale, die sie später einmal brauchen können.

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Kinder und Eltern können gemeinsam entscheiden,
was in die Brotdose gehört.

Gibt es Dinge, die Sie nicht so gerne in den Brotboxen sehen?

Wir bewerten nicht, was die Kinder in die Kita mitbringen, das kann jede Familie selbst entscheiden. Zumal alle schon recht ausgewogene Kost dabeihaben. Und eine kleine Süßigkeit, beispielsweise ein Keks, ist ja auch was Schönes für die Kinder. In manchen Gruppen sind Milchschnitten unerwünscht, aber das ist überall anders. Wenn ich beispielsweise einen Schokohasen in einer Dose finde, stelle ich ihn beiseite – den kann das Kind dann essen, wenn es wieder bei den Eltern ist. Außerdem sollten Joghurt, Ei und andere leicht verderblichen Sachen schon vormittags verzehrt werden, vor allem dann, wenn es draußen warm ist.

Sprechen Sie mit den Eltern über den Inhalt der Brotdose?

Bei jeder Neuaufnahme reden wir mit den Eltern über die Essgewohnheiten ihres Kindes und mögliche Allergien. Bei dieser Gelegenheit erkundigen sich viele von selbst nach dem Inhalt der Vesperdose. Wir empfehlen ihnen, gemeinsam mit dem Kind zu entscheiden, was hinein soll. Gerade die größeren Kita-Kinder wissen schon sehr genau was sie wollen. Wir sprechen Eltern aber auch aktiv an, wenn ein Kind sehr viel Süßes dabeihat oder die Dose so überfüllt ist, dass viel liegen bleibt.

Familien zeigen gerne,
was sie zuhause essen.

Haben Sie das Gefühl, dass die Brotdose ein wichtiges Thema für Eltern ist?

Die Eltern sind bei der Vesper ja nicht dabei und sehen daher weder die Reaktionen ihrer Kinder noch das, was die anderen dabeihaben. Aber sie zeigen sich offen für das, was wir beobachten. Sie wenden sich auch von selbst an uns, beispielsweise wenn sie bei ihrem Kind veränderte Essgewohnheiten feststellen oder die Box beim Abholen immer noch voll ist.

Machen sich kulturelle Unterschiede beim Inhalt der Vesperdosen bemerkbar?

Nicht so sehr in den Brotboxen – wir empfehlen ja allen Familien das Gleiche, das dann je nach Herkunft und Vorlieben etwas variiert wird. Wir haben aber einen Tag in der Woche, an dem jeweils eine Familie für das Gruppenfrühstück zuständig ist. Diesen nutzen Eltern und Kinder gerne, um zu zeigen, was sie zuhause essen: Dann gibt es zum Beispiel Müslifrühstück, Fladenbrot, Frischkäse, spezielles Gebäck oder auch mal Reis und Nudeln. An diesen Tagen vespern wir besonders lange, weil es allen so viel Spaß macht.

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