Acht Monate, bevor meine erste Tochter in die Kita kommen sollte, stand ich neben einer Amerikanerin vor einem Eisbecken und hörte mir an, wie positiv sich das wöchentliche Kneippen auf Kleinkinder auswirken würde. „Besonders toll ist das nach einem Saunagang in unserer Kindersauna“, sagte sie begeistert und drückte mir einen Zettel mit den Angeboten für den Nachmittag in die Hand: „Chinesisch für Kinder, English music, Theater, Massage und die besagten Kneipp-und Saunagänge.“ Willkommen in einer High-Class-Kita in Berlin Mitte.

Als ich kurz darauf wieder in der Straßenbahn saß, musste ich an meine eigene Kindergartenzeit denken. Wir haben gemalt, gesungen, draußen gespielt. Von frühkindlicher Förderung sprach damals noch niemand. Und meine Mutter hat meine Geschwister und mich einfach in den Kindergarten geschickt, der am nächsten war. Ob meine Kita gut war? Ich war auf jeden Fall gerne dort – aber reicht das heute noch?

 

Nun stand ich also selbst vor der Frage: In welche Kita soll mein Kind gehen? Was erwarte ich von den Erziehern? Wie soll das Gebäude sein und welche Angebote sind ein Muss?

Das Wichtigste zuerst: Ich habe meine Tochter nicht in die High Class Kita geschickt, sondern auf eine „ganz normale“. Nach sechs Jahren Mutterschaft und drei verschiedenen Kitas (wir mussten wegen Umzug wechseln) glaube ich zu wissen, wann für mich eine Kita eine gute Kita ist. Ich möchte, dass meine Kinder folgendes in der Kita erfahren:

 

  • Geborgenheit: Ob eine Erzieherin in New York, London und Paris gelebt hat oder ihr bisheriges Leben an ihrem Geburtsort verbracht hat, ist für mich nicht wichtig. Wichtig ist für mich ihr Herz. Über viele Stunden des Tages ist sie die Bezugsperson für meine Liebsten. Sie soll sie trösten, wenn sie traurig sind, sie umarmen, wenn sie es brauchen, die Kinder in ihrer Besonderheit sehen und akzeptieren.
  • Ermutigung: „Du schaffst das“ und „probiere es gleich nochmal“ – diese Sätze kann man Kindern gar nicht oft genug sagen. Nur so lernen sie in sich zu vertrauen, nur so geben sie nicht nach den ersten Misserfolgen auf.
  • Bewegung: Und zwar am Besten draußen. Egal, ob es regnet oder minus 5 Grad hat. Die Natur bietet Kinderseelen so viel Nahrung, so viel Input für Herz und Hirn, es gibt so viel zu entdecken und zu erfahren. Mein Motto ist daher: Raus an die Luft!

 

Doch zählen für meine Kinder die gleichen Sachen wie für mich? Was finden meine Kinder an ihren Erziehern gut – und was weniger? Was für Kinder eine Kita zu einer guten Kita macht, wollte auch die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) wissen und beauftragte ein Forschungsteam, das knapp 80 Kita-Kinder befragte. Die Ergebnisse erstaunen mich – und dann auch wieder nicht — denn sie sind so klug und herzlich, wie Kinder eben so sind. Ich greife einmal die für mich wichtigsten Punkte heraus:

 

  • Kinder wollen einer Gemeinschaft zugehören und in ihrer eigenen Individualität geschätzt werden. Sprich: Jeder möchte Freunde haben und von der Gruppe akzeptiert werden. Und zwar genau so wie er ist, mit Ecken und Kanten. Und gleichzeitig muss Raum da sein für Rückzug, wo man ungestört spielen kann und in Phantasiewelten abtauchen kann. Jetzt weiß ich, warum mein Sohn immer im hintersten Winkel des Gartens sitzt und Indianer-Tippies aus Stöcken baut, wenn ich ihn hole…
  • Kinder wollen als kompetent anerkannt werden. „Ich kann was. Mir wird was zugetraut“ – dieses Wissen macht Kinder stark. Dazu gehören auch körperliche Herausforderungen. Schaffe ich es, den Baum hoch zu klettern? Traue ich mich, die große Rutsche herunter zu rutschen? Kann ich über den Stamm balancieren? Nur wer sich Herausforderungen stellt, kann wachsen.
  • Kinder möchten Selbst-und Mitbestimmung erfahren. Die Kita meines Sohnes hat gerade einen Kinder-Rat gegründet – in jeder Gruppe wurden Gruppensprecher gewählt, die dann die Interessen der Kitakinder vertreten und z.B. wichtige Anschaffungen mitbestimmen. Eine tolle Idee!

 

Wahrscheinlich ist es utopisch, dass in einer Kita immer alle Wunsch-Punkte zu 100 Prozent erfüllt werden. Das ist auch nicht nötig. Kinder – und auch wir Eltern – können damit umgehen. Solange wir spüren, dass der Großteil richtig ist. Dass Herzenswärme und Fürsorge in den Räumen herrscht. Solange der Wille und die Bereitschaft da sind, Dinge zu verbessern, wenn es nötig ist.

Letzte Woche hatte meine älteste Tochter ihren letzten Kitatag. Es flossen Tränen. Bei ihr, bei mir und bei den Erzieherinnen. Es waren Tränen des Abschieds und Tränen des Glücks über die gemeinsame Zeit. Besser kann die Kitazeit doch eigentlich nicht enden….