Juchhu, das Kind kommt in den Kindergarten! Da kann es mit Gleichaltrigen spielen und viele neue Freunde finden. Soweit so gut, doch immer wieder hören verunsicherte Eltern von den Schwierigkeiten der Eingewöhnung. Für diese nehmen sich Berufstätige extra ein bis zwei Wochen Urlaub, so wie es eben geht.

 

Das ist sicher ein guter Tipp. Doch der beste Rat ist folgender: Wenn ein Kind spürt, dass alles in Ordnung ist, dass die Mama ein gutes Gefühl bei einer Sache hat, dann fühlt es sich ebenfalls sicher und wohl. Daher ist es wichtig, dem Kind von vornherein ein gutes Gefühl mitzugeben. Dabei geht es nicht um rationale Argumente, warum es die Kita gut finden soll. Nein, der Nachwuchs muss spüren und fühlen, dass die Mama ihn gerne gehen lässt. Kinder haben bekanntlich sehr sensible „Antennen“ für emotionale Schwingungen. Und wenn nun die Mama ihren kleinen Glückskeks eigentlich gar nicht loslassen will, wird die Eingewöhnung, die ja auch eine Abgewöhnung von der großen Nähe zwischen Baby und Mutter ist, kompliziert. Die Eingewöhnung in die Kita ist für beide Seiten ein Abnabeln, ein Prozess des Loslassens. Es ist ein wichtiger Einschnitt im Leben beider. Wenn den Erwachsenen das klar ist, gelingt der wichtige Schritt einfacher für alle Beteiligten. Es ist nicht so einfach, sein geliebtes Kind gehen zu lassen, das muss man sich erst einmal eingestehen. Auch wenn die rationalen Vorteile natürlich auf der Hand liegen: wieder mehr Zeit für sich selbst, für die Rückkehr in einen Job oder ein Studium, Zeit für soziale Beziehungen oder einfach zum Ausruhen. Doch Herz und Kopf sind eben zwei Paar Schuhe. Da helfen kleine Rituale, zum Beispiel eine gemeinsame Unternehmung für Eltern und Kind, die den großen Schritt würdigen. Es kann auch ein Eisbecher im Café sein, zur Feier des Tages, an dem der erste Besuch im zukünftigen Kindergarten ansteht. Wenn sich Kleine wohl und sicher fühlen, sind sie meist stolz darauf, jetzt schon so groß zu sein. Da wir sehr verschiedene Erfahrungen in diversen Kitas und Kindergärten gemacht haben, folgen jetzt Beispiele, was wir als Eltern von drei Kindern so erlebt haben.

 

Der richtige Zeitpunkt fürs Kind

Die allererste Eingewöhnung hat nicht geklappt. Als unser erstes Kind gerade mal ein Jahr alt war, erwarteten wir Zwillinge. Gerade umgezogen, mit einer nervösen Mama und einem viel beschäftigen Papa, hatte unser Sohn ein echtes Nähebedürfnis. Bei der endlich gefundenen Tagesmutter wollte er nicht bleiben, obwohl sie sehr nett war. Ich fühlte, dass es die richtige Entscheidung war das Kind noch ein Jahr zuhause zu lassen, denn ich spürte seine Anhänglichkeit. Zumal gab es in diesem Jahr auch noch keine Kinderkrippe in der Nähe, in die er sonst hätte gehen können. Also begannen wir damit, einmal pro Woche in eine Spielgruppe im Kindergarten zu gehen. So lernte er schon zwei der Erzieherinnen dort kennen. Auf meinen Wunsch hin durfte er dann auch in deren Vormittagsgruppe gehen, als er 2,5 Jahre alt war.

 

Zeitgleich eröffnete in diesem Kindergarten eine Krippe, in welche die Zwillinge mit 13 Monaten nun kamen. Wir hatten die freie Wahl, in welche der Gruppen wir den „Großen“ geben wollten. Wegen der Erzieherinnen, die er schon kannte, entschieden wir uns für den Kindergarten. Im Nachhinein würde ich es anders machen: In der Kita hatten sie nur zwölf statt 25 Kinder pro Gruppe und sogar noch eine Praktikantin. Das waren sehr viele Kinder und viele, viele Impulse, die da auf ein Kleinkind einströmten. Kein Wunder, dass unser „Großer“ anfangs ganz schön erschöpft war nach vier Stunden Kindergarten. Dort bleiben wollte er von Anfang an, die Spielgruppe zahlte sich aus, denn er freute sich richtig, die liebgewonnenen Erzieherinnen wieder zu sehen. Meistens blieb er auch in deren Nähe. Da solche Bezugspersonen viel Wert sind für eine harmonische Eingewöhnung, fand ich es richtig, im Vorfeld mit dem Sohn gemeinsam mehrere Kindergärten angeschaut zu haben. Da war oft rasch klar, stimmt die Chemie oder nicht.

 

Mit 13 Monaten die Welt entdecken

Wie von selbst klappte die Eingewöhnung der Zwillinge. Mit ihren 13 Monaten waren sie gerade dabei, die bunte Welt um sich herum zu entdecken. Genau das richtige Alter für die beiden, wie ich fand. Sie waren so beschäftigt, sich all die schönen Spielsachen anzusehen, dass ich nicht das Gefühl hatte, sie vermissten mich wahnsinnig. Das war sehr hilfreich für mich. Denn irgendwie hatte ich ein schlechtes Gewissen, die Kinder so früh abzugeben. Da reichen schon ein paar beiläufige Kommentare von der Nachbarin und der Oma, um solche Gedanken aufkommen zu lassen. Doch das ist Quatsch!

Ich hatte mit den Erzieherinnen ausgemacht, dass wir zwei Wochen Zeit mitbringen sollten, um die Kinder langsam einzugewöhnen. Am zweiten Tag musste ich aber meinen Mann unvorhergesehen zum Bahnhof fahren. Ich erklärte der Erzieherin die Situation und schlich mich raus, nach Absprache in 15 Minuten wieder da zu sein. Meine Kinder bemerkten es nicht einmal. Als ich wiederkommen wollte, kam die Betreuerin kurz zu mir und sagte: „Die spielen so schön, sie essen jetzt gerade und es klappt alles wunderbar.“ Auf gut Deutsch: Ich würde eher stören, wenn ich jetzt wieder rein gehen würde. Damit war die Eingewöhnung so gut wie abgeschlossen. Von Tag zu Tag kam ich jetzt ein bisschen später zum Abholen.

Was mir sehr gut gefallen hat, war die Tatsache, dass diese Erzieherinnen wirklich auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder eingegangen sind. Wenn die beiden müde wurden, legten sie sie in ihren eigenen Wagen, der auf der Terrasse stand. In den Bettchen im Schlafraum wollten sie nämlich nicht einschlafen. So hatte ich zufriedene Kinder, die in ihrer vertrauten Umgebung und zur rechten Uhrzeit geschlafen hatten. Ich bin der Meinung, dass es möglich ist, jeden Wunsch, jede Frage mit den Erzieherinnen zu besprechen.

 

Kontraproduktive Trotzphase?

Nach einem Jahr zogen wir wieder um. So ein Umzug ist immer eine große Veränderung für ein Kind. Als die Zwillinge nun in eine neue Kita gehen sollten, schalteten sie auf stur. War ich da, war alles gut, sobald ich gehen wollte, begannen sie aus Leibeskräften zu schreien. Und wehe, es vergaß einer einmal das Schreien und begann zu spielen oder einem anderen Kind hinterher zu laufen. Der andere Zwilling erinnerte den „Abtrünnigen“ mit Sicherheit an die Abmachung, die sie getroffen zu haben schienen. Ich nahm es gelassen und setzte mich in der Kita auf eine Bank in der Sonne.

 

Aber eigentlich klappte die Eingewöhnung erst, als ich beruflich verreisen musste und der Papa übernahm. Da ging dann alles ziemlich rasch vonstatten und die Kinder vergaßen ihr Löwengebrüll. Papas sind eine sehr gute Erfolgschance, die nie außer Acht gelassen werden sollte – nicht nur in Sachen Eingewöhnung!

Weitere Tipps zur Eingewöhnung haben wir hier für Sie zusammengestellt.
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