Man muss keine angebliche Helikoptermutter und auch kein Übervater sein, um die Vorzüge eines elterngetragenen Kinderladens bzw. einer Kita mit Mitmachmöglichkeiten für Eltern zu erkennen – vor allem natürlich für das Kind.

Die Frage der Betreuung

Eine große Einrichtung mit vielen Gruppen, vielen Gruppenleitern und vor allem vielen kleinen Kindern. Ist das wirklich die passende Umgebung für ein zurückhaltendes Kleinkind, welches seinerseits viel Zeit braucht, um Vertrauen zu anderen Menschen und Situationen aufzubauen? Möchte ich meine Tochter wirklich in diesem Umfeld belassen, wenn ich zurück an den Schreibtisch eile?
Gute Betreuung ist keine Frage der Größe. Und doch stand diese Frage schon im Raum, welche Einrichtung zu meinem Kind passt, da beherrschte meine Tochter noch nicht einmal den aufrechten Gang. Irgendwann damals lernte ich von unseren Nachbarn, dass das englische Wort für die Eingewöhnung in der Kita überraschend „familiarisation“ lautete. Und es stimmt: Die Betreuung des eigenen Kindes ist etwas sehr Persönliches, um nicht zu sagen, fast schon etwas Familiäres.
Zwischen dem Moment, in dem ich mein Kind in die Kita bringe und dem, wenn ich es wieder von dort abhole, liegen gut und gerne zwischen sechs bis acht Stunden. Genug Zeit für viele neue Erlebnisse und Eindrücke. So sinnvoll es ist, dem Kind elternfreie Zeit zuzugestehen: Warum sollte man sich als Elternteil nicht hier und da in das zweite Kinderzuhause namens Kita einbringen – sofern es die berufliche bzw. familiäre Situation natürlich überhaupt zulässt.

Kinderladen bedeutet nicht Putz- und Kochdienst

Ein von Eltern getragener Kinderladen oder eine Kita mit Mitmachangeboten, in der Eltern Angebote machen können, bietet hier unter Umständen eine gute Möglichkeit.
Bei dem Wort Kinderladen bzw. Mitmachen schrecken viele Eltern fast schon reflexartig auf. Dabei bedeutet Eltern-Initiativ-Kita, auch Kinderladen genannt, keineswegs zwangsläufig, dass man Elterndienste übernehmen muss. Ein Kinderladen definiert sich nicht über das Ehrenamt, sondern darüber, dass er einen gewissen Prozentsatz seines Leistungsangebots selbst finanziert. Dies geschieht häufig über erhobene Zusatzbeiträge. Es gibt also Kinderläden, in denen Eltern weder putzen, noch kochen oder sich sonst wie einbringen müssen, sofern sie das nicht wollen.
Wer sich hingegen aktiv einbringen möchte, sei es in Form von Musikstunden, Basteltagen oder Ausflügen etc., findet hier sicherlich gute Voraussetzungen. Immerhin besteht der Vorstand und damit auch die Kita-Leitung aus Eltern, deren Kinder ebenfalls den Kinderladen besuchen. Man sitzt also im gleichen Boot.

Führungszeugnis: Was man als Eltern wissen sollte

Elterndienste sind per Definition ehrenamtlich und damit natürlich über die Kita versichert. Wer als Elternteil ein regelmäßiges Angebot für die Kinder gestaltet, kommt um eine Sache allerdings nicht drumherum: das erweiterte Führungszeugnis. Alle Erwachsenen, die im geschützten Rahmen der Kita ein Vertrauensverhältnis zu den Kindern aufbauen, welches außerhalb dessen theoretisch ausgenutzt werden könnte, muss ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Dieser Nachweis ist seit dem Jahr 2001 bindend und betrifft neben Praktikanten, Festangestellten eben auch Ehrenamtliche, die regelmäßig Betreuungsangebote anbieten. Die Inhalte des erweiterten Führungszeugnisses bleiben natürlich vertraulich.

Fazit: Mitmachen bereichert Kind und Eltern gleichermaßen

Für mein schüchternes Kleinkind war ein Kinderladen, der Eltern vielfältige Mitmachmöglichkeiten bietet, ein wahrer Glücksfall. Dank des intensiven Austauschs, der sich nicht nur auf pädagogische Aspekte beschränkt, sondern auch auf persönliche, wurde aus dem Erzieher-Team nach und nach eine Art erweiterte Familie. Gleiches galt und gilt auch für die Eltern anderer Kinder, die mittlerweile zu Verbündeten in Sachen Erziehung, Betreuung und natürlich Spielplatz-Dates gehören.
Kurzum: Aus der Kita wurde für meine Tochter ein zweites Zuhause. Natürlich bedeutet dies im Fall eines Kinderladens auch ein enger Kontakt zu anderen Eltern – mit allen Vor- wie Nachteilen. Wie in einer echten Familie eben. Doch die Vorzüge, die sich aus dem engen Kontakt ergeben, überwiegen eindeutig – besonders für das Kind.
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