Marcus Weinberg ist familienpolitischer Sprecher der CDU/CSU Bundestagsfraktion

 

Rund 80 Prozent der Eltern sehen die Hauptverantwortung für die Qualität in Kitas und der Kindertagespflege bei Erzieherinnen, Erziehern und den Trägern oder den Tageseltern. Die Rahmenbedingungen, in denen diese Fachleute arbeiten, gestalten Bund, Länder und Kommunen. Jetzt gibt es ein gemeinsames Eckpunktepapier für ein Qualitätsentwicklungsgesetz mit höherer Bundesbeteiligung – ein guter Weg, um die Qualität in den Einrichtungen zu befördern?

 

Die frühkindliche Bildung hat in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Der Bund hat daher massiv in Maßnahmen zur Verbesserung der Kinderbetreuung investiert. Allein in dieser Legislaturperiode waren es mehr als sechs Milliarden Euro. In der kommenden Legislaturperiode steht für uns die Qualität der Betreuungsangebote im Fokus. Im Regierungsprogramm von CDU und CSU haben wir dazu deutlich gemacht, dass der Ausstattung von Kindertages- und Betreuungseinrichtungen mit ausreichend und gut ausgebildetem Personal dabei eine Schlüsselrolle zukommt. Wir werden uns dafür einsetzen, dass der Bund die Länder und Kommunen auch in den kommenden Jahren unterstützt, das Angebot an Betreuungsplätzen bedarfs- und qualitätsgerecht auszubauen. Die Qualität der Kindertagesbetreuung soll insbesondere durch gemeinsame Qualitätsziele gesichert werden. Die primäre Verantwortung für die Bedarfsplanung und Finanzierung der Kinderbetreuung obliegt allerdings den Bundesländern, nicht dem Bund.

 

74 Prozent der Eltern geben an, sich aktiv in ihrer Kita zu engagieren, um die Fachkräfte bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Inwiefern können Mütter und Väter Ihrer Meinung nach zur Qualität in der Kita und der Kindertagespflege beitragen?

 

Ich bin davon überzeugt, dass Eltern einen wichtigen Beitrag zur Qualität in der Kinderbetreuung leisten können. Studien zeigen, dass sich Elternbeteiligung grundsätzlich positiv auswirkt und Benachteiligung abbaut. Kinder brauchen verlässliche Beziehungen. Die Fürsorge der Eltern ist die Grundvoraussetzung für ihre weitere emotionale und psychosoziale Entwicklung. Zur optimalen Bildungsförderung der Kinder sollten Familien und Erzieher ihre Erziehungs- und Bildungsverantwortung daher gemeinsam wahrnehmen. Dafür bedarf es einer von gegenseitiger Anerkennung und Wertschätzung geprägten Partnerschaft. Nicht alle Eltern sind jedoch gleichermaßen bereit und imstande, ihrer Bildungsverantwortung nachzukommen. Projekte wie „Elternchance ist Kinderchance“, das die Förderung der familiären Begleitung frühkindlicher Bildungsprozesse zum Ziel hatte oder das ESF-Programm „Elternchance II“ bieten in diesem Zusammenhang sinnvolle Unterstützung an und sollten auch weiterhin gefördert werden.

 

Erzieher, Erzieherinnen und Tageseltern spüren den Erwartungsdruck der Eltern, melden uns aber deutlich zurück, dass sie ihre Qualitätsansprüche an die eigene Arbeit aufgrund unzureichender Rahmenbedingungen nicht immer umsetzen können. Welchen Handlungsbedarf sehen Sie und wie kann man die Arbeitsbedingungen der Fachkräfte verbessern?

 

Kindertagesstätten haben in den vergangenen Jahren vielfältige neue Aufgaben der frühkindlichen Förderung übernommen. Erzieher und Erzieherinnen kümmern sich nicht nur um die liebevolle Betreuung der Kinder, sondern fördern sie in ihrer sprachlichen, kognitiven und motorischen Entwicklung und stärken ihre sozialen Fähigkeiten. Von entscheidender Bedeutung für die Bewältigung der neuen Aufgaben und damit auch zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen sind Maßnahmen zu bundeseinheitlichen Verbesserungen beim Personalschlüssel in Kindertagesstätten. Derzeit sind die Personalschlüssel in Kindertageseinrichtungen von Bundesland zu Bundesland noch sehr unterschiedlich. Studien belegen, dass Kinder ihre sprachlichen und sozialen Fähigkeiten besser entwickeln, je kleiner die Gruppe ist, in der sie betreut werden. Eine Verbesserung der Erzieher-Kind-Relation und eine größere Wertschätzung der Arbeit von Erzieher und Erzieherinnen sollten daher zu den zentralen politischen Zielen in der nächsten Legislaturperiode gehören.