Ein Drei-Generationen-Gespräch mit Mutter, Tochter und Oma: Kerstin, 40 Jahre, Emma, 5 Jahre und Ulrike, 67 Jahre, erinnern sich gemeinsam an ihre Kita-Zeit. Alle drei gehen oder gingen in kleinen oder mittelgroßen Ortschaften in Rheinland-Pfalz in den Kindergarten. Kerstin und Ulrike tauschen nicht nur eigene Kita-Erlebnisse aus, sondern auch ihre Gedanken als Kita-Mutter früher und heute.

Eine einfache Baracke und verschiedene Gruppen – die Räumlichkeiten

Was gefällt dir an der Kita, Emma?

Emma: Ich finde es toll, im Nebenraum zu spielen. Da gibt es Decken und Tische, mit denen kann man Höhlen bauen. Da gibt’s auch ein Puppentheater – aber kein echtes. Da dürfen wir alleine hin. Auch in den Turnraum. Wer schneller drinnen ist, der bestimmt immer.

Erinnert ihr euch an die Räume in eurer Kita, Kerstin und Ulrike?

Kerstin: Ich weiß nicht mehr, wie es bei uns drinnen aussah. Das Außengelände war jedenfalls viel einfacher gestaltet, mit viel weniger Spielgeräten als beispielsweise bei Emma. Es muss einen Garten gegeben haben, denn ich erinnere mich, dass ich in den Pausen gerne auf dem Rasen herumspaziert bin.

Ulrike: Unsere Kita war eine niedrige, einstöckige Baracke – in der Nachkriegszeit herrschte noch die pure Not. Alle 50 Kinder waren zusammen in einem Raum untergebracht. Es gab eine freie Fläche vor der Kita, aber wenn wir Luft schnappen sollten, sind wir eher spazieren gegangen. Das lief dann sehr diszipliniert ab, Hand in Hand und zu zweit sind wir hinter unserer Erzieherin hermarschiert.

Eine Tante in Kittelschürze und vier Erzieherinnen – das Kita-Personal

 Wie viele Erzieherinnen hast du in deiner Gruppe, Emma?

Emma: Ähm… vier Stück: Eine Praktikantin und noch drei andere.

Mutter, Tochter und Oma erinnern sich gemeinsam (© DKJS / C. Grehl)

Arbeitet auch ein Mann in deiner Kita?

Emma: Ja. Aber der ist in der roten Gruppe.

Magst Du deine Erzieherinnen?

Emma: Ja.

Warum?

Emma: Die passen auf uns auf und die helfen uns und wir machen Stuhlkreis und spielen da Pitsch Patsch Pinguin oder Katzentanz, mein Lieblingsspiel. Oder wir spielen manchmal Uno oder werfen einen Ball hin und her.

Kerstin: Ich finde es bewundernswert, wie viel die eine Erzieherin mit Emma malt. Sie macht auch alles mit, was Emma sich ausdenkt.

Emma: Neee, gar nicht alles.

Ulrike: Wir hatten nur eine einzige Erzieherin für 50 Kinder: Tante Elisabeth. Eine in unseren Augen alte Frau mit einer Kittelschürze, eine richtige Respektsperson. Sie hat uns mehr oder weniger nur beaufsichtigt. Tja, was macht man auch mit so vielen Kindern in allen Altersstufen? Sicherlich hat sie auch mal mit uns gebastelt oder gelesen, aber wir Kinder waren hauptsächlich unter uns.

Kerstin: Ich erinnere mich nicht, dass ich in der Kita besondere Zuwendung erlebt oder jemanden besonders gemocht hätte. Ich glaube, dass Kinder und Erwachsene in ihrer Erinnerung gut aussortieren können, zum Beispiel, wenn sie nicht so tolle Erfahrungen gemacht haben.

Ulrike: Vielleicht wäre das besser, wenn Du eine andere Erzieherin gehabt hättest. Die aus der Nachbargruppe war sehr liebevoll und geduldig. So jemanden hätte ich mir für dich gewünscht, aber das konnte ich mir ja nicht aussuchen.

Kooperation mit der Schule und endlich Programm – die Vorschulzeit

Emma, was machst du mit den Vorschulkindern in der Kita? 

Emma: Wir gehen in die grüne Gruppe und legen eine Murmel in ein Glas mit einer Schultüte drauf, jedes Kind eine. Auf dem anderen Glas ist eine Kindergartentasche drauf, da stecken wir keine Murmel rein. Dann machen wir Ausmalbilder oder Memory.

Dank der Kooperation der Kita kennt sich Emma schon jetzt gut in der Schule aus (© DKJS /C. Grehl).

Vorher gibt es immer noch so einen Tanz, damit man warm wird. Guck‘, so: [tanzt vor]. Das ist ein lustiger Tanz, aber ganz schön anstrengend.

Kerstin: Ich finde es toll, dass Emma so viele Ausflüge mit den Vorschulkindern macht. Mal in die Natur, aber auch in die Schule. Durch die Kooperation mit der Schule kennt sie sich schon richtig gut aus dort.

Gab es zu eurer Zeit auch Vorschul-Aktivitäten?

Kerstin: Ich weiß nur von meiner Mutter, dass sie im letzten Jahr vor der Schule eine Mappe mit meinen gewebten, gestickten und gemalten Kunstwerken bekommen hat, also muss es eine Art Vorschulprogramm gegeben haben.

Ulrike: Tante Elisabeth konnte für die Großen kein besonderes Angebot machen. Wie sollte sie auch, mit so vielen Kindern in verschiedenen Altersstufen. Im Vergleich zum Kindergarten kam mir die Grundschule dann sehr unterhaltsam vor, spannend und toll. Denn dort hat man endlich mal „Programm“ mit uns gemacht. Ich habe mich gefreut, endlich in die Schule zu kommen.

Fortsetzung folgt: Was das Chaos im Waschraum und ausgeblasene Geburtstagskerzen gemeinsam haben und warum eine Mutter ihr Kita-Kind alleine busfahren lässt, erfahren Interessierte im zweiten Teil des Drei-Generationen-Interviews, der hier in Kürze erscheint.

Zehn Punkte, die zeigen, wie KiTa sich verändert hat
   

KiTas sind immer ein Spiegel ihrer jeweiligen Zeit.

Wir haben die Vorsitzende des Arbeitskreises Neue Erziehung (ANE) nach den größten Unterschieden zwischen früher und heute gefragt. Der Verein ist als Herausgeber der Ratgeber-Elternbriefe bekannt.