„Elternengagement hat Vorbildwirkung für das eigene Kind“, sagt Norman Heise, der schon viele Jahre in berlin- und bundesweiten Elterngremien aktiv ist. In einem Interview mit rund-um-kita.de spricht der Geschäftsführer der Bundeselternvertretung der Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege (BEVKi) über die Möglichkeiten und Chancen von Kita-Eltern, sich zu engagieren.

Herr Heise, wie können sich Eltern mit Kindern in Kitas und der Kindertagespflege aktiv einbringen?

Es gibt viele Möglichkeiten, sich zu engagieren. Am gängigsten sind die klassischen Tür-und-Angel-Gespräche in der Kita oder bei der Tagespflegeperson im Rahmen der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft. Hier kann man sich individuell mit den pädagogischen Fachkräften austauschen, sich über sein Kind, die Gruppe, die Kita usw.. informieren und sich somit für den Nachwuchs einsetzen. Die oftmals bekannteren Möglichkeiten sind Beigaben zum Kuchenbasar, zum Trödelmarkt, für die Bibliothek usw. Dazu gehören auch kleine Arbeitseinsätze beim Malern oder beim Frühjahrsputz im Kita-Garten. Einige Einrichtungen haben auch Fördervereine, in die man sich aktiv oder passiv einbringen kann.

Norman Heise (© M. Bachmann).

 

Wie sieht die institutionalisierte Form der Elternbeteiligung aus?

Die institutionalisierte Mitwirkung in Gremien ist die direkteste Art und Weise, sich in Kitas zu engagieren. In der Gruppe kann man sich als Interessensvertreter der Eltern, also als Elternsprecherin oder Elternsprecher wählen lassen und dann als Schnittstelle zwischen den Fachkräften und den Eltern fungieren. Interessierte können hier nachlesen, welche Aufgaben Elternsprecher dabei genau übernehmen können. In der eigenen Kita kann man sich zudem im Elternausschuss oder Elternrat engagieren. Je nach Bundesland gibt es weitere Gremien inner- und außerhalb der Kita. Mit ein wenig mehr Zeit kann man sich bis zu uns, der Bundeselternvertretung der Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege (BEVKi) als Vertretung seines Bundeslandes wählen lassen.

„Eltern werden als Experten für ihre Kinder gesehen.“

Welche Mitspracherechte haben Eltern in Bezug auf außerfamiliäre Bildung, Betreuung und Erziehung?

Das höchste Recht ist im Grundgesetz Paragraph 6, Absatz 2 formuliert: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.“ Die weiteren Rechte sind von Bundesland zu Bundesland verschieden. Auch in den Bildungsplänen für Tagespflege und Kitas sind unterschiedliche Möglichkeiten für die Bildungs- und Erziehungspartnerschaft formuliert. Wichtig ist, das Eltern als Experten für ihre Kinder gesehen werden. Aus diesem Verständnis heraus braucht man nur wenig „Regelungsbedarf“.

Welche Rechte haben die Kinder selbst in Bezug auf die Betreuung?

Es gibt eine Vielzahl von Rechten, die auf Kinder ausgerichtet sind. Man findet entsprechende Paragrafen im Bürgerlichen Gesetzbuch, im Sozialgesetzbuch, in Landesverfassungen, Gemeindeordnungen und Kommunalverfassungen. Spezielle Kinderrechte, wie in der UN-Kinderrechtskonvention, hat Deutschland leider noch nicht verabschiedet.

„Die Bereitschaft der Eltern, sich zu engagieren, ist sehr hoch.“

Wie schätzen sie generell die Motivation der Eltern ein, aktiv mitzugestalten?

Grundsätzlich glaube ich, dass die Bereitschaft, sich für das eigene Kind und darüber hinaus auch für andere Kinder zu engagieren, per se sehr hoch ist. Die Kinder sind unsere Zukunft – so wie wir uns für unsere Kinder einsetzen, so setzen wir uns auch für unsere eigene Zukunft ein. Es gibt immer wieder verschiedene Faktoren, die dieses Engagement bremsen. Ein großer Faktor ist dabei die Zeit. Denn die Zeit, die man für seine Aktivitäten einsetzt, muss man ja irgendwo abzweigen. Entweder bei der eigenen Familie, im Beruf, bei den Hobbies oder bei anderen Dingen. Das muss man einerseits können, andererseits muss es gewollt sein. Sprich: die Kitas und Tagespflegepersonen sollten und müssten die Eltern auch zur Mitwirkung und Beteiligung einladen und sie über die rechtlichen Möglichkeiten informieren. In vielen Bundesländern halten die Landeselternvertretungen, teilweise in Zusammenarbeit mit den zuständigen Ministerien, entsprechende Informationsmaterialien bereit.

Was macht eine gute Bildungspartnerschaft zwischen Eltern und Fachkräften aus?

Im Grunde ist es wie in jeder guten Partnerschaft: Man sollte sich Zeit füreinander nehmen, miteinander sprechen und auf das jeweilige Gegenüber eingehen. Wichtig ist dabei auch, Vertrauen aufzubauen. Eltern und Fachkräfte sollten sich auf Augenhöhe begegnen und dabei die gemeinsame Aufgabe – nämlich das Wohl, die Bildung und Erziehung der Kinder – im Blick behalten.

„Eltern und Fachkräfte sollten sich Zeit füreinander nehmen.“

Wie können Eltern am besten in einen konstruktiven Dialog mit wichtigen Entscheidungsträgern aus Politik und Verwaltung treten?

Das geht am besten, wenn man regelmäßig im Austausch miteinander ist und nicht erst in Kontakt tritt, wenn es ein konkretes Problem gibt. Am einfachsten ist es, wenn man eine gemeinsame Austausch-Ebene etabliert und sich dort regelmäßig trifft. Die Politik ist gut beraten, die Interessen der Eltern ernst zu nehmen, denn sie sind schließlich auch Wähler und Wählerinnen.

In welchen Bereichen konnten Sie persönlich gemeinsam mit anderen Eltern besonders viel bewirken?

Ich war vor der Bundesebene viele Jahre als Elternvertreter auf Bezirks- und Landesebene aktiv. Hier erzielten wir ein paar tolle Erfolge: So haben wir im Jahr 2009 ein Volksbegehren zur Verbesserung des Personalschlüssels initiiert. Das wurde nicht zu Ende geführt, weil wir uns vorher mit der Politik geeignet haben. Schrittweise kamen so 1.800 Fachkräfte mehr in die Berliner Kitas. Wir konnten außerdem an der Überarbeitung des Berliner Bildungsprogrammes mitwirken und auf diesem Wege die Erziehungs- und Bildungspartnerschaft sowie die Beteiligung von Eltern in der Kita weiter verbessern. Außerdem wird Berlin ab 1. August 2018 das erste Bundesland sein, das vollständig beitragsfrei ist.

„Elternengagement hat Vorbildwirkung für das eigene Kind.“

Viele Eltern sagen, dass sie selbst keine Zeit für ein Ehrenamt oder einen Posten als Elternvertreter haben. Mit welchen Argumenten holen Sie diese mit ins Boot?

Elternmitwirkung kann Erfolgserlebnisse erzeugen, Kontakte schaffen, das Selbstbewusstsein stärken, andere motivieren, den Blick für unterschiedliche Sichtweisen öffnen, Spaß machen, Anerkennung bringen, Abwechslung schaffen, neue Wege ermöglichen und Vorbildwirkung für das eigene Kind haben.

 

Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und pädagogischen Fachkräften im Fokus

In seiner Funktion als Vorsitzender des Landeselternausschusses Kita und des Bezirkselternausschusses Kita von Marzahn-Hellersdorf hatte Norman Heise gemeinsam mit Katrin Molkentin 2013 die Idee, auch mit Elternvertretungen anderer Bundeslänger in Kontakt zu treten. Ein Jahr später waren beide Mitbegründer der Bundeselternvertretung der Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege (BEVKi). Katrin Molkentin, derzeit Bundessprecherin der BEVKi, thematisiert in einem Interview für das Onlineportal Frühe Chancen ebenfalls die Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und pädagogischen Fachkräften.